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General Motors: Eine Herde von Sündenböcken

Anleiheinhaber von GM, die sich abgesichert haben, stehen im Verdacht, den mit der US-Regierung ausgehandelten Deal für den Autobauer abzulehnen. Denn sie könnten Gewinne aus CDS-Kontrakten abschöpfen, wenn sie GM in die Pleite schickten. Doch die Bondinhaber haben sich vermutlich abgesichert, bevor die Schwierigkeiten bei GM akut wurden. Nicht alle sind also opportunistische Spekulanten.

von Dwight Cass (breakingviews.com)

Vermeintlich störrische Gläubiger mussten schon beim Zusammenbruch von Chrysler als Sündenböcke herhalten. Für sie könnte dieselbe undankbare Rolle reserviert sein, wenn General Motors aus der Kurve fliegt. GM-Anleiheinhaber, die ihre Engagements abgesichert haben, stehen im Verdacht, den Bankrott des angeschlagenen Autobauers zu befürworten. Doch das macht noch lange keine opportunistischen Spekulanten aus ihnen.

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Wenn GM einen Antrag auf Gläubigerschutz stellt, könnten diese Investoren tatsächlich bei ihren Credit Default Swap-Kontrakten absahnen. Diese kurz CDS genannten Derivate dienen zum Handeln von Ausfallrisiken von Krediten und Anleihen. Doch in vielen Fällen haben diese Anleger bereits große Verluste bei ihren Bonds hinnehmen müssen. Diese Einbußen auszugleichen, ist nun einmal die ureigenste Funktion des Hedging.

Und der von der US-Regierung initiierte Plan ist ja auch alles andere als fair. Die Kreditanbieter sollen nur zehn Prozent des neuen GM-Kapitals erhalten und nicht den Löwenanteil, der ihnen als dem größten Gläubigerblock wohl eigentlich zusteht. Und es ist noch nicht einmal gesagt, dass der jüngste Sanierungsplan von GM auch wirklich greift.

Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass es sich bei dem Großteil der betroffenen Anleiheinhaber um kurzfristige Spekulanten handelt. Die Kostenvorteile beim Hedging von GM-Bonds sehen nämlich schon seit geraumer Zeit nicht mehr verlockend aus.

Wirtschaftlich sinnvoll war eine Absicherung vielleicht zuletzt Anfang 2007, als die GM-Anleihen einigermaßen robust aussahen und etwa 97 Cent zum Dollar einbrachten. Ein Investor, der GM-Bonds im Wert von zehn Mill. Dollar für fünf Jahre absichern wollte, hätte etwa 390 000 Dollar im Jahr dafür hinlegen müssen - Kosten, die von den auf die Papiere erhaltenen Zinsen abgedeckt wurden. Bis zum vergangenen Sommer hatte dieser Bond-Inhaber zehn Prozent bzw. eine Mill. Dollar mit den Anleihen verloren. Doch diese Einbußen wurden in etwa durch den gestiegenen Wert des CDS-Kontrakts ausgeglichen.

Doch dann begann der Autobauer, in seine Einzelteile zu zerfallen. Die berichteten Vorauskosten für einen CDS-Schutz blähten sich bis zum Ende des vergangenen Jahres auf acht Mill. Dollar auf - zusätzlich zu einer Jahresgebühr von 500 000 Dollar. Und die Anleihen verbuchten Wertverluste auf rund 25 Cent zum Dollar. Hätte man die Bonds damals gekauft und ihren Nennwert von zehn Mill. Dollar abgesichert, dann würde dies im ersten Jahr elf Mill. Dollar kosten - ein verlustbringender Ansatz, selbst wenn GM Pleite ginge.

Die Anleiheinhaber, die sich über Hedges abgesichert haben, spielen also wahrscheinlich schon eine ganze Weile mit. Sie mögen den Vorteil haben, gegen einen Zusammenbruch von GM geschützt zu sein. Aber es besteht kein Grund, sie vernichtend dafür zu kritisieren, die Pleite von GM zu riskieren, wenn der alternativ angebotene Deal so dürftig aussieht.

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