General Motors
GM: Die nächste Phase

Die Misere beim US-Autobauer GM ist nicht neu, seine Anleihen erreichten schon 2005 Schrottstatus. Aber was auch immer geschehen wird - Rettung oder Pleite -, die US-Regierung wird harte Entscheidungen treffen müssen, wie der größte Sektor im verarbeitenden Gewerbe des Landes umstrukturiert werden soll. Willkommen in der finanziell-industriellen Krise.

Zuerst kam die Subprime-Krise. Als nächstes war die Hypothekenkrise an der Reihe, in deren Schatten die Banken- und die Investment Banking-Verwerfungen einherschritten, gefolgt von der Notlage auf den aufstrebenden Märkten, vom Kreditengpass und den Währungsverzerrungen. Die Liste ist noch nicht zu Ende. Da möglicherweise die Rettung von General Motors (GM) und seinen Kollegen unter den US-Autobauern ansteht, könnte bald ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. Machen Sie sich bereit, die finanziell-industrielle Krise zu begrüßen.

Barack Obama, der gewählte US-Präsident, soll angeblich auf die Einführung eines Rettungspakets über 50 Mrd. Dollar drängen, bei dem auch die Einsetzung eines Regierungsausschusses oder eines "Zaren" vorgesehen ist, der die Umstrukturierung der Branche überwachen soll. Ansonsten ist es nach Meinung von Marktbeobachtern unwahrscheinlich, dass GM bis zum Jahresende überleben kann. Ursprünglich waren Beihilfen über 25 Mrd. Dollar im Gespräch, aber Obamas Berater denken voraus.

Mit oder ohne Insolvenzantrag von GM ist die amerikanische Regierung mit fast hundertprozentiger Sicherheit bald mit einer Verantwortung konfrontiert, die am besten dem Privatsektor überlassen bliebe: Wie strukturiert man einen wirtschaftlich Ausschlag gebenden Industriezweig um, der sich in den größten Schwierigkeiten befindet?

Man hatte wahrlich Zeit genug, um sich darüber klar zu werden, wie man reagieren will. Die Anleihen von GM waren schon 2005 als Junk eingestuft worden. Und vorher waren Jahrzehnte lang relative Rückgänge zu verzeichnen gewesen. Es ist schon eine Ironie der Geschichte, dass als eines der Modelle für den in Kürze vorzustellenden Plan die Rettung von Chrysler aus dem Jahr 1979 herangezogen wurde. Außer einem stetigen Verlust an Marktanteilen hat sich für die Großen Drei in den vergangenen drei - oder dreißig - Jahren anscheinend nichts Wesentliches geändert.

Aber wie auch immer Obama und seine Untergebenen sich letztendlich entscheiden, es wird Unmut geben. Der "Zar" könnte radikale Kürzungen anordnen. Doch ein solch unpopuläres Vorgehen könnte sich am Ende in einer Wirtschaft vielleicht als kontraproduktiv erweisen, die bei Industrieerzeugnissen immer noch ein großes Handelsdefizit aufweist. Oder vielleicht möchte der Zar auch vorwiegend an Verbesserungen arbeiten, in der Hoffnung, später Marktanteile gewinnen zu können. Die Chancen auf einen Erfolg sind gering.

Wie bei allen vorhergehenden Kapiteln der Krise dürfte auch die finanziell-industrielle Notlage mit der Zeit nur schlimmer werden. Während weltweit die Arbeitslosigkeit auf dem Vormarsch ist, während sich die Währungen verschieben und die klamme Finanzlage die Handelsbeziehungen stört, während spekulativ aufgeblähte Sektoren in sich zusammenfallen, während die Regierungen sich bei der Festlegung der Richtlinien über die Kreditvergabe der Banken weiter vorarbeiten, werden die zuständigen Behörden einfach mit zu vielen fundamentalen wirtschaftlichen Wahlmöglichkeiten konfrontiert werden.

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