General Motors
Schulden über Schulden

Selbst nach dem jüngsten Sanierungsplan wird General Motors noch auf Schulden von bis zu 50 Milliarden Dollar sitzen bleiben. Allerdings wird der angeschlagene Autobauer keinen ausreichenden Cash Flow erwirtschaften, um diesen Schuldenberg über mehrere Jahre hinweg abzustützen. Damit bleibt GM kaum eine andere Wahl, als die Mitarbeiter und die Geldgeber noch stärker zu belasten.
  • 0

Die Gläubiger von General Motors (GM) sind noch nicht auf der sicheren Seite. Der jüngste Sanierungsplan des angeschlagenen Autobauers sieht schon drakonisch genug aus. Geplant ist der Tausch von Verbindlichkeiten der Gewerkschaften, Anleiheinhaber und der Regierung über bis zu 48 Mrd. Dollar gegen Aktien. Aber selbst wenn dieser Plan durchkommt, wird GM trotzdem noch auf Schulden über bis zu 50 Mrd. Dollar sitzen bleiben.

Denn der marode Autoproduzent verfügt immer noch über besicherte Schuldtitel über sechs Mrd. Dollar, wird sowohl der US-Regierung als auch dem unabhängigen Gesundheitstrust der in der Autogewerkschaft UAW organisierten Arbeiter zehn Mrd. Dollar schulden und die GM-Manager gehen davon aus, dass sie noch einmal neun Mrd. Dollar vom Staat brauchen werden, um weitere Verluste abzudecken. Dazu kommen elf Mrd. Dollar an erwarteten Krediten vom US-Energieministerium und von ausländischen Regierungen sowie drei Mrd. Dollar an unbesicherten Schuldtiteln, wenn man davon ausgeht, dass 90 Prozent der Anleiheinhaber den Aktienswap billigen.

Um einen Gesamtwert des Unternehmens zu erreichen, der eine derart heftige Schuldenlast abstützen könnte und um auch noch etwas für die Aktionäre übrig zu lassen, müsste GM im Jahr einen Cash Flow von 13 Mrd. Dollar erwirtschaften. Wenn man das Vierfache des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) anwendet, das mit dem Vielfachen der Branchenkollegen vergleichbar ist, dann würde damit ein Gesamtwert des Unternehmens von 52 Mrd. Dollar impliziert.

Damit würden die Aktien mit nur zwei Mrd. Dollar bewertet. Das wäre in Ordnung, wenn dies in kurzer Zeit erreichbar wäre. Doch nach Berechnungen von Barclays wird GM dort vor 2013 nicht hinkommen und auch nur dann, wenn man davon ausgeht, dass die Schätzungen von GM über das Tempo, in dem die Firma Cash verbrennt, zutreffen.

Darüber hinaus hat GM-Finanzchef Ray Young es als sein erklärtes Ziel ausgegeben, dass die Schuldenlast von GM das Zweifache des Ebitda nicht überschreitet. Dies bedeutet, dass der Autobauer seine neue Schuldenbelastung, basierend auf den Zahlen von 2013, halbieren müsste. Die Nummer Eins aus Detroit wird dies nicht mit dem Verkauf von Autos erreichen. Und daher bleibt den Führungskräften kaum eine andere Wahl, als ihre Mitarbeiter und ihre Geldgeber - die Steuerzahler eingeschlossen - noch stärker in Anspruch zu nehmen.

Kommentare zu " General Motors: Schulden über Schulden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%