General Motors
Unangebrachter Optimismus

Nach Ansicht von GM-Boss Rick Wagoner könnte der Autobauer im operativen Geschäft das Schlimmste hinter sich gelassen haben. Aber der umstrittene Wagoner hatte sich auch in der Vergangenheit schon durch überzogenen Optimismus hervorgetan, und da war es der Branche insgesamt noch relativ gut gegangen. Er hätte genauer aufpassen sollen, was in diesem Jahr aus den euphorischen Prophezeihungen aus dem Bankensektor geworden ist – und besser den Mund gehalten.

Rick Wagoner lehnt sich ganz schön weit aus dem Fenster. Der umstrittene Chef von General Motors rechnet damit, dass der Autobauer, zumindest im operativen Geschäft, das Schlimmste hinter sich gelassen hat, wie aus einem Interview hervorgeht. Aber jetzt solch optimistische Töne anzuschlagen, erscheint merkwürdig.

Sicher, die Nummer eins aus Detroit hat schon einiges in die Wege geleitet, um seine hinderliche Kostenstruktur und die Überkapazitäten anzugehen. Die gewerkschaftlich organisierte Belegschaft wurde seit 2005 fast halbiert und es war dem Autobauer gelungen, die Verantwortung für den Großteil der Verbindlichkeiten für die Gesundheitsvorsorge über mehr als 60 Mrd. Dollar, die nicht durch ein Sondervermögen abgedeckt sind, an die Gewerkschaft Union Auto Workers weiterzugeben. Im vergangenen Monat hatte Wagoner weitere Kürzungen angekündigt, darunter einen Abbau der Gehaltsempfänger um ein Fünftel.

Vielleicht stellt sich ja heraus, dass er Recht hat. Vielleicht hat GM jetzt wirklich genug überflüssige Pfunde abgeworfen. Aber Wagoner und seine Mitstreiter haben schön öfter mit frohen Zukunftsbotschaften daneben gegriffen. So hatten sie zum Beispiel Anfang 2005 vorhergesagt, schon 2007 einen Gewinn von zehn Dollar je Aktie ausweisen zu können. Stattdessen hat GM, die erste Hälfte dieses Jahres eingeschlossen, mehr als 50 Mrd. Dollar an Verlusten angehäuft.

Und solche Prognosen waren getroffen worden, als es der Branche, außerhalb der Stadtgrenzen von Detroit, gut ging. Jetzt leiden auch die Konkurrenten von GM. Toyota musste Stellen abbauen und ihre Gewinnerwartungen drastisch reduzieren. Auch die Japaner hatten sich auf das amerikanische Techtelmechtel mit Geländewagen und anderen Benzinfressern eingelassen, die im vergangenen Jahr rund 40 Prozent des US-Absatzes ausmachen - wenn auch in einem um ein Drittel geringeren Umfang als GM.

In der Zwischenzeit schlägt die Kreditkrise durch die Bank große Kerben in das Leasing-Geschäft - auch in das von BMW. Bei den Bayern kommt das Leasing für rund 60 Prozent ihres nordamerikanischen Absatzes auf. Deshalb müssen viele Firmen zurückrudern. Da die Finanzierungsoptionen geringer geworden sind, wäre es keine Überraschung, wenn der Auto-Absatz weiter sinken würde. Das ist für alle in der Branche schlecht, aber für GM richtig schwierig, da die Firma auch in guten Zeiten schon Geld verloren hat und den anderen hinterhergelaufen ist.

Das soll jetzt nicht heißen, dass Wagoner in die Fußstapfen von Donald Tomnitz treten sollten, dem klugen Chef der Wohnungsbaugesellschaft DR Horton, der prophezeit hatte, dass 2008 "wirklich miserabel wird und zwar jeder einzelne Monat des Jahres". Aber es war definitiv nicht das Jahr, um optimistische Töne anzuschlagen - siehe all die übereifrigen Zukunftsdeuter bei Lehman Brothers, JPMorgan und Morgan Stanley, die im Frühjahr erklärt hatten, dass die Kreditkrise fast vorbei ist. Wagoner würde gut daran tun, sein hoffnungsvolles Geplapper vorerst abzustellen.

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