George Soros
Die Finanzierung weiterer Irrtümer

Das frische gegründete Institute of New Economic Thinking von George Soros will nach einer Alternative zum “Marktfundamentalismus” suchen. Doch es sind vor allem die falschen Annahmen der modernen Finanztheorie – begünstigt von einer laschen Geldpolitik und der staatlichen Einmischung im Immobiliensektor –, die für den Crash von 2008 verantwortlich gemacht werden sollten.
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Der Milliardär George Soros will nach Alternativen zu dem von ihm so genannten "Marktfundamentalismus" suchen. Dazu hat er das frisch gegründete Institute of New Economic Thinking mit 50 Mill. Dollar ausgestattet. Doch die falschen Annahmen der modernen Finanztheorie - begünstigt durch eine lasche Geldpolitik und die staatliche Einmischung im Immobiliensektor - spielten bei dem Crash von 2008 eine viel größere Rolle als die freien Märkte.

Soros, der 1992 mit seiner berühmten Milliarden-Dollar-Wette die Bank of England bezwang, kritisiert die freien Märkte seit langem. Daher ist es kaum verwunderlich, dass er einen Kapitalismus des überzogenen Laissez-faire für die Kernschmelze auf den Finanzmärkten im vergangenen Jahr und die nachfolgende ernste Rezession verantwortlich macht.

Doch es ist, vielleicht vor allem in den USA, der Staat, der bei dem Zusammenbruch seine Spuren hinterlassen hat. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte seit 1995 eine Politik der Einmischung verfolgt. Sie hatte die Geldmenge M3 bedeutend schneller ausgeweitet als das nominale Bruttoinlandsprodukt gewachsen war, und relativ schneller als während der von der Inflation geprägten siebziger Jahre. Dadurch ist eine Reihe von spekulativen Blasen bei Vermögenswerten entstanden.

Gleichzeitig trug die explizite und implizite Unterstützung der US-Regierung für Immobilienfinanzierungen durch Fannie Mae, Freddie Mac und auf andere Weise dazu bei, einen Hypothekenmarkt ins Leben zu rufen, auf dem die Urheber von Hypothekenpapieren sich der Verantwortung für die Kreditrisiken entziehen konnten, selbst wenn sie mit dem Segen der Regierung Kredite an zunehmend überstrapazierte Darlehensnehmer vergaben.

Selbst an der Wall Street war der Anschein eines freien Markts trügerisch. Die vorherrschende moderne Finanztheorie beruhte auf einer Reihe von falschen Annahmen. Sie ging nicht nur davon aus, dass die Kursbewegungen willkürlich waren, sondern auch davon, dass Extremereignisse so unwahrscheinlich seien, dass sie fast komplett ignoriert werden könnten.

Die Finanzmodelle setzten in ihrer Mehrzahl voraus, dass die Volatilität konstant wäre oder sich nur langsam veränderte. Sie beachteten dabei die Vielzahl historischer Beispiele für Krisensituationen nicht, in denen die Kursschwankungen diskontinuierlich empor schnellten. Und die Theorie ging davon aus, dass komplexe Wechselwirkungen präzise gemessen werden könnten und sich nicht stark veränderten.

Angesichts dieser Irrtümer kann es kaum überraschen, dass ein Markt, der auf der modernen Finanztheorie aufbaute, auf Abwege geriet. Soros mag Recht haben, wenn er sagt, dass die Wirtschaftstheorie überdacht werden muss. Aber was wirklich gebraucht wird, ist keine Alternative zu den freien Märkten. Gebraucht wird ein System der freien Märkte, das funktioniert.

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