Geschäfte in Afrika
Gazprom fordert Europa heraus

Der russische Gasgigant will Nigeria bei der Entwicklung seiner Gasreserven helfen. Als Staatsmonopolist bräuchte Gazprom dabei nicht einmal auf den Gewinn zu achten. Doch die fehlgeschlagene Partnerschaft mit Algerien zeigt, dass Gazprom nicht immer gewinnt.

Manches spricht dafür, ein Staatsmonopolist zu sein – selbst wenn man an der Börse notiert ist. So muss man sich wenig Gedanken über seine Aktionäre machen, vor allem dann, wenn - wie bei Gazprom - der Aufsichtsratschef zugleich stellvertretender Premierminister und designierter künftiger Staatspräsident ist. Dass der russische Gasriese mit Nigeria über Gasreserven des afrikanischen Landes spricht, wurde in einigen europäischen Hauptstädten mit großer Sorge aufgenommen. Doch ungeachtet aller Verschwörungstheorien würden die Russen selbst im Falle eines - noch lange nicht sicheren - Abkommens mit der Regierung in Lagos die Gasversorgung Westeuropas nicht in den Würgegriff nehmen können.

Nigerias Hauptproblem ist, dass die Infrastruktur zur Entwicklung der heimischen Gasvorkommen fehlt, sodass die Ressourcen buchstäblich in Flammen aufgehen. Das Gas wird von der Ölindustrie verbrannt, ein Phänomen, das als „Abfackeln“ bekannt ist. Jede technologische Verbesserung würde zu einer Vergrößerung des globalen Gasangebotes führen und damit wohl die Preise tendenziell nach unten drücken. Dies dürfte einer der Gründe sein, die Gazprom nach Nigeria führen.

Für europäische Unternehmen wie die britische BG Group und Centrica, die sich seit langem um Geschäfte mit Nigeria bemühen, ist das eine große Herausforderung. Während sie sich ständig um ihre Profite sorgen müssen, kann Gazprom langfristiger, strategischer und mit politischem Weitblick agieren. Der steigende Einfluss von Staatsunternehmen auf die Energiemärkte ist eine anhaltende Herausforderung für die westlichen Großunternehmen, die sich gegenüber ihren staatlichen Rivalen im Wettbewerb um die letzten Reserven der Erde benachteiligt fühlen.

Doch Gazprom gewinnt nicht immer, wie ausgerechnet ein Beispiel aus Afrika zeigt. Die Russen wollten 2006 Algerien für eine Partnerschaft gewinnen, die zu einer „Gas-OPEC“ führen sollte. Doch Algerien wusste um die Bedeutung des Umstandes, dass man auf dem globalen Gasmarkt als Wettbewerber Russlands auftritt. Die Algerier verdeutlichten dies ohne Umschweife, als Russlands unglückselige Unterbrechung der ukrainischen Gasversorgung auch den Rest von Europa betraf. Die richtige Antwort Westeuropas auf die Herausforderung durch Gazprom ist, sie anzunehmen. Falsch wäre es dagegen, sich der Paranoia hinzugeben.

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