Geschäftsmodell in der Kritik
Hypo Real Estates Finanzierungsalptraum

Hypo Real Estate erwacht und steht vor einem 35-Milliarden-Euro-Finanzierungsalptraum. Diesmal ist die Bank noch davongekommen, aber ihr Geschäftsmodell hat versagt. Selbst die Kreditgarantie, die Staat und private Banken gemeinsam übernommen haben, könnte sich als zu dünn erweisen könnte, um das Überleben zu sichern.

Hypo entstand im Jahr 2003 als Abspaltung aus der immer wieder strauchelnden Hypovereinsbank. Richtig gut lief das Geschäft der Bank, die zwar über Immobilienvermögen, aber kaum über Einlagen verfügt, von Anfang an nicht. Selbst im guten Immobilienjahr 2006 erwirtschaftete Hypo lediglich eine Eigenkapitalrendite von 10 Prozent. So entschloss sich die Bank zu einem gewagten Schritt. Im Oktober 2007 zahlte sie eine hohe Prämie für die Übernahme von Depfa, eine Bank mit einem großen Anteil schwer einzuschätzender Vermögenswerte, ohne Einlagen und wenig Eigenkapital.

Für Banken ohne solides Finanzierungsfundament ist dieses Jahr äußerst problematisch. Vor allem, wenn sie nur über eine dünne Decke tangiblen Eigenkapitals von 930 Millionen Euro verfügen, auf der Vermögenswerte von 395 Milliarden Euro ruhen. Das operative Ergebnis von Hypo im ersten Halbjahr 2008 erreichte zwar den Breakeven, wurde jedoch durch Verluste aus Finanzinvestitionen in Höhe von 167 Millionen Euro belastet, darunter vor allem synthetische CDOs (Collateralised Debt Obligations, Anteile an einem Pool besicherter Schuldtitel).

Im Juli übernahm die Beteiligungsgesellschaft JC Flowers fast 25 Prozent der Aktien zu 22,50 Euro. Aber eine Stütze für die Bankaktien ist nur eine Seite. Wesentlich größere Probleme bereiten die Schulden. Hypo muss jährlich fast 100 Milliarden Euro umschulden. Ein Scheitern wollte man hier nicht zulassen, dafür galt die Bank als zu wichtig, vor allem jetzt, wo der Markt schon hypernervös reagiert. Also beteiligte sich die deutsche Regierung an der Konstruktion einer mulidimensionalen Bankgarantie in Höhe von 14 Milliarden Euro. 60 Prozent des Risikos dieser Summe übernimmt der deutsche Staat. Zusätzlich trägt die Regierung das Risiko für darüber hinausgehende Verluste bis zur Summe von noch einmal 21 Milliarden Euro.

Die Kosten für Hypo sind hoch: die Dividende ist ausgesetzt, für die Garantien fallen hohe Gebühren an und die Gewinnaussichten sind für die nächste Zeit gleich Null. Die Aktien quittierten die düstere Prognose mit einem Sturz um 60 Prozent auf sechs Euro.

Der neue Plan heißt für die Hypokreditgeber, sie gehen mit den nächsten 35 Milliarden Euro kein Risiko ein. Bis zum Jahresende sollte die Bank damit leben können. Allerdings dürften die Kreditmärkte noch nicht so bald wieder zu ihrer alten Verfassung zurückkehren. Ohne umfassende Rekapitalisierung im Jahr 2009 könnte sich Hypo also schnell im gleichen bösen Traum wiederfinden.

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