Gescheiterte Übernahme
Rio Tinto: Gnade für die Manager

Die gescheiterte Offerte von BHP Billiton für die anglo-australische Bergwerksgesellschaft hat den Aktienkurs von Rio Tinto schwer getroffen. Aber die Aktionäre sollten dafür nicht den Widerstand des Rio-Managements verantwortlich machen. Ein Zusammenschluss war vermutlich ohnehin nicht umzusetzen.

Wenn der Aktienkurs eines Unternehmens innerhalb von zwei Tagen um ein Drittel fällt, fragen sich die Investoren, ob nicht vielleicht Köpfe rollen sollten. In dieser Situation findet sich Rio Tinto wieder, nachdem der Konkurrent BHP Billiton sich um eine Aktientauschofferte für die Bergwerksgesellschaft gedrückt hat. Jetzt wird sich die Aufmerksamkeit dem Board von Rio zuwenden, der unter der Führung von Chairman Paul Skinner von Vornherein gegen die Übernahme durch BHP eingestellt war. Doch die Aktionäre sollten ein wenig Nachsicht walten lassen.

Erstens war das BHP-Gebot für den Kauf von Rio, das im vergangenen November vorgelegt worden war, im derzeitigen Marktumfeld nicht umzusetzen. Durch den Rückgang der Aktienkurse beider Firmen war der Schuldenberg von Rio über 38 Mrd. Dollar für BHP unverdaulich groß geworden. Und daran hätte Rio weder durch Worte noch durch Taten etwas ändern können. Hätte die Bergwerksgesellschaft den Deal unterstützt und wäre sie dann sitzen gelassen worden, hätte der Board umso törichter ausgesehen.

Zweitens hätte eine Billigung des Abschlusses durch die EU-Kartellbehörden umfangreiche Entflechtungen erfordert. Die Käufer bieten derzeit aber keine vernünftigen Preise, so dass ein Durchdrücken dieser Verkäufe mit fast hundertprozentiger Sicherheit Werte zerstört hätte. Wenn beide Boards sich auf eine Fusion geeinigt hätten, wären sie vielleicht zu stark versucht gewesen, trotz dieser Wertzerstörung damit fortzufahren.

Drittens sah der Wert der Aktien, die BHP anbot, bereits prekär aus. BHP hatte versprochen, die Förderung zu erhöhen und mehr Erz auf dem offenen Markt zu verkaufen - womit den Branchenwächtern vielleicht gezeigt werden sollte, dass es bei dem Abschluss nicht lediglich darum ging, die Kunden unter Druck zu setzen. Aber die Metallpreise fallen und die fusionierte Firma hätte jeden guten Willen der Kunden, über den sie einst verfügte, verloren. Das wäre eine riskante Strategie gewesen.

Kurzfristig werden die Rio-Aktionäre am Boden zerstört sein. Aber es ist schwierig für sie, ihren Board dafür verantwortlich zu machen, etwas verloren zu haben, was sie nie besessen hatten. Natürlich müssen die Board-Mitglieder von Rio jetzt darlegen, wie sie mit den umfangreichen Schulden der Gruppe umgehen wollen - und dürfen sich dabei wahrscheinlich auf einiges gefasst machen. Aber was ihr Verhalten während der fehlgeschlagenen Offerte angeht, so sieht ihre Urteilskraft bodenständig aus.

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