Gescheiterter US-Rettungsplan
Wie vor dem Jüngsten Gericht

Nachdem das US-Repräsentantenhaus den Plan von Finanzminister Paulson zur Stützung der Bankenbranche abgelehnt hatte, haben die Investoren die Nerven verloren. Aber die Rettungsaktionen für Wachovia und WaMu – und die Rekapitalisierungen von Goldman, Morgan Stanley und anderen – legen nahe, dass es auch noch andere Lösungen geben kann.

Es ist nicht schwer zu verstehen, warum die Investoren komplett die Nerven verloren haben, nachdem das US-Repräsentantenhaus dem Plan der US-Regierung, die Bankenindustrie mit 700 Mrd. Dollar wiederzubeleben, einen Dolchstoß versetzt hatte. Dass das Troubled Asset Relief Programme (Tarp) von US-Finanzminister Hank Paulson - zumindest vorerst - tot ist, wird mit Sicherheit weitere Schmerzwellen auslösen - und die werden nicht nur über die Bonzen der Wall Street hereinbrechen.

Da jetzt der Auftritt der US-Regierung als bereitwilliger Käufer von giftverseuchten Vermögenswerten über hunderte von Milliarden Dollar verhindert wurde, wird sich der schmerzhafte Prozess des De-leveraging, also des Abbaus des Fremdkapitaleinsatzes, beschleunigen und weitere Bankenpleiten nach sich ziehen. Dadurch wiederum schrumpft der Umfang der Bilanz des Privatsektors, auf die sich die Verbraucher und Unternehmen bisher verlassen haben.

Der Einbruch des Dow Jones-Index um happige sieben Prozent am Montag und eine vehemente Zunahme der Kursausschläge bei Aktien legen, neben anderen Stresssignalen der Märkte, nahe, dass die Investoren fürchten, dem Finanzsektor stehe das Jüngste Gericht bevor. Aber das muss nicht sein. Dass nämlich in der vergangenen Woche zwei der schlimmsten Problemkinder der US-Bankenbranche - Washington Mutual (WaMu) und Wachovia - gerettet werden konnten, lässt hoffen, dass irgendeine Kombination des Kapitalismus der freien Märkte mit den bestehenden Mechanismen des Regierungsbeistands Lösungen für die Krise bietet. Den Bankaktionären wird dies vielleicht kein großer Trost sein. Sie werden vermutlich darunter leiden, dass der Plan des Finanzministeriums nicht verwirklicht wird, der sie unterstützt hätte, indem er den Banken einen Weg eröffnet hätte, marode Vermögenswerte für mehr Geld abzuladen, als der Markt ihnen an Wert zugebilligt hätte. Eine Reduzierung der Verluste der Kreditinstitute hätte indirekt das Kapital des Bankensystems angehoben.

Aber das Tarp hat sich nicht gesondert der eigentlichen Wurzel der Krise gewidmet - den nachgebenden Immobilienpreisen. Paulson mag vermutlich Recht haben, wenn er argumentiert, dass das Tarp notwendig ist, um das Kreditsystem aufrecht zu erhalten, und damit die US-Wirtschaft. Aber die demokratischen Abgeordneten hatten große Schwierigkeiten, ihre Wähler daheim, die in dem Vorhaben lediglich eine Rettung der Wall Street erkennen konnten, davon zu überzeugen, dass auch sie davon profitieren würden. Viele Republikaner indessen sahen im Tarp eine Verletzung der Grundregeln des freien Markts, für die die Partei einst gestanden hatte. Und doch mag es einen Weg nach vorn geben. Schauen wir uns einmal die Art und Weise an, wie die Bundesbehörden am Wochenende die Rettung von Wachovia eingefädelt haben. Citigroup zahlt 2,1 Mrd. Dollar für den Großteil der Geschäfte der in Charlotte beheimateten Bank und übernimmt deren Vermögenswerte über 700 Mrd. Dollar.

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