Getränkehersteller
PepsiCo: Zurück auf Los

PepsiCo will die Abfüller zurückkaufen, die der Getränkegigant in den neunziger Jahren ausgegliedert hatte. Dies sollte Pepsi eine größere Kontrolle über die Distribution verschaffen. Die Abfüller auszugliedern, war eine Mode, die der Finanzsteuerung entsprungen war. Und deren Logik hat sich verflüchtigt.
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PepsiCo ist zurück am Ausgangspunkt. Nachdem der Getränkegigant gegen Ende der neunziger Jahre seine Abfüllanlagen ausgegliedert hatte, will er sie jetzt für sechs Mrd. Dollar wieder zurückkaufen. Damit sollte Pepsi eine größere Kontrolle über die Distribution erlangen - ein kluger Schachzug, wenn man die Veränderungen, die das Geschäft des Limonadeherstellers durchlaufen hat, bedenkt. Zudem basierte die Mode, die Abfüller auszugliedern, die der Konkurrent Coca-Cola im vorangegangenen Jahrzehnt initiiert hatte, auf der Finanzsteuerung. Und deren Logik hat sich weitgehend verflüchtigt.

Der Aufschlag von 17 Prozent, den Pepsi für die Pepsi Bottling Group und PepsiAmericas bietet, sieht angemessen aus. Der Getränkeproduzent ist an beiden Unternehmen bereits maßgeblich beteiligt, und die Aktienkurse der Abfüller haben sich von ihren jüngsten Tiefstständen erholt. Trotzdem könnte Pepsi die Offerte noch ein wenig nachbessern. Analysten gehen davon aus, dass die Firma mehr als die 200 Mill. Dollar an Synergien aus dem Deal herausholen kann, die sie derzeit veranschlagt.

Allgemeiner betrachtet stellt das Vorhaben allerdings eine strategische Kehrtwende für Pepsi dar. Das Geschäft des Abfüllens und des Vertriebs seiner Limonade von der tatsächlichen Herstellung und dem Marketing zu trennen, war einst eine glänzende Idee. Eingefallen war sie ursprünglich dem Coca-Cola-Chef Roberto Goizueta. Die Logik dahinter: Das Abfüllgeschäft gehörte zum industriellen Sektor und warf niedrigere Margen ab. Es auszugliedern, war ein Segen für die Aktionäre des Kernbereichs der Getränkeherstellung.

Diese Logik ist zum Teil immer noch anwendbar. Das finanzielle Zahlenwerk des Brausegeschäfts von Pepsi könnte unter dieser Zusammenlegung leiden. Trotzdem ist der Deal immer noch sinnvoll. Erstens ist Pepsi nicht mehr länger nur ein Limonadenproduzent. Die Firma verkauft Sportgetränke und Fruchtsäfte - die nicht notwendigerweise über dasselbe Abfüllsystem verfügen wie die Limonaden. Die Brause und das Gatorade etwa zu Wal-Mart zu verfrachten, wird effizienter gestaltet werden können, wenn Pepsi seine unterschiedlichen Abfüll- und Distributionskanäle kombiniert.

Zudem sahen viele Pepsi und seine Abfüllunternehmen nur dem Namen nach als getrennte Einheiten an. Die Aktionäre interpretierten die Kennzahlen der Firmen oft so, als handelte es sich um miteinander verknüpfte Unternehmen, denn sie teilen ohnehin das gleiche Schicksal. So sichert Pepsi zum Beispiel auch die Verbindlichkeiten der Abfüller ab.

Durch den Deal könnte Coca-Cola unter Zugzwang geraten. Pepsi hatte damals die Entscheidung seines größten Konkurrenten, die Geschäftsbereiche zutrennen, kopiert. Coke mag sich jetzt unter Druck gesetzt fühlen, dieses Mal in die Fußstapfen von Pepsi zu treten.

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