Gewinneinbruch
Postprobleme

Die Deutsche Post musste im 4. Quartal nach Abschreibungen in Höhe von 594 Millionen Euro bei seiner amerikanischen Tochter US DHL Express einen Gewinneinbruch um 61 Prozent verkraften. Der neue Vorstandsvorsitzende muss einen amerikanischen Partner finden und sich von den deutschen Bankaktivitäten trennen. Und auch dann stellt sich für die Deutsche Post die Frage, warum Europa stärker dereguliert werden muss.

Es ist die Geschichte eines politisch-motivierten monopolistischen Übermuts. Der Gewinn der Deutschen Post fiel, wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt geben musste, im vierten Quartal um 61 Prozent. Zuvor waren Abschreibungen bei der amerikanischen Einheit DHL Express notwendig geworden. Jetzt muss Europas größter Postdienstleister das Geschäft in den Vereinigten Staaten wieder auf Vordermann bringen und entscheiden, was mit der problembelasteten Bankentochter geschehen soll. Die Postprobleme eignen sich als Fallstudie zur Frage, warum Europa stärker dereguliert werden muss.

Klaus Zumwinkel, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, der sich jetzt Untersuchungen wegen Steuerhinterziehung gefallen lassen muss, machte aus dem verlustbringenden, staatlichen Briefzusteller einen profitablen, börsennotierten Mischkonzern. Allerdings nutzte er die Gewinne aus dem Binnengeschäft, um ausländische Übernahmen zu finanzieren – und dabei oft auch zu viel zu bezahlen. Als die EU dann dem Monopol der Deutschen Post im vergangenen Jahr endgültig das Aus erklärte, nutzte Zumwinkel seinen politischen Einfluss, um einen Mindestlohn für Briefträger durchzusetzen. Ein Konkurrent, PIN, meldete daraufhin Konkurs an, und die niederländische TNT Post überlegt seither, sich aus Deutschland zurückzuziehen. Zumwinkels Nachfolger Frank Appel muss nun kämpfen, um das Geschäft wieder in Ordnung zu bringen.

Dabei gibt es gleich zwei Prioritäten. Erstens, das notleidende US-Geschäft, das unter der verheerenden Konkurrenz von UPS und FedEx leidet. US DHL Express sollte entweder verkauft oder zumindest deutlich verschlankt werden. Eine naheliegende Lösung wäre der Zusammenschluss mit FedEx, die von der starken Präsenz der Deutschen Post in Europa profitieren könnten. Allerdings käme die Hochzeit zwischen dem flinken amerikanischen Neuerer und dem behäbigen deutschen Giganten einem Kulturschock gleich. Zweitens muss Appel sich vom 50-Prozent-plus-eine-Aktie-Anteil der Deutschen Post an der Deutschen Postbank trennen. Die Postbank hat unter den Wertberichtigungen im Zusammenhang mit der Subprime-Krise zu leiden. Politisch am einfachsten wäre hier der Verkauf an eine deutsche Bank. Allerdings verspricht die Öffnung gegenüber ausländischen Interessenten das bessere Geschäft.

Aus dem Schlamassel lassen sich einige wichtige Schlüsse ziehen. Während die EU bei den früher staatsgelenkten Fluglinien und Telekom-Champions akzeptable Deregulierungsergebnisse vorweisen kann, tut sie sich schwer, ihre großen Versorgungsunternehmen und Postmonopole loszulassen. Ein neuer Liberalisierungsvorstoß tut hier not. Zu befürchten hat die Post dabei nichts. Zwar könnte es zu einigen kurzfristigen Risiken für die inländischen Umsätze kommen, sie sollten aber durch das Wachstumspotenzial der Deutschen Post außerhalb Deutschlands und der USA mehr als kompensiert werden. Weniger Hybris und mehr Konkurrenz dürften sehr hilfreich sein, das volle Wettbewerbspotenzial des früheren Monopolisten zu heben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%