Gewinnwarnung
Warnsignale

Es gibt nie einen wirklich günstigen Zeitpunkt für das Überbringen schlechter Nachrichten. Aber manche Zeiten sind weniger ungünstig als andere. Die momentane Phase finanzieller Turbulenzen könnte eine davon sein.

Es gibt einfach keinen günstigen Zeitpunkt dafür, schlechte Nachrichten zu überbringen. Aber einige Zeiten sind weniger ungünstig als andere. Die derzeitige Phase finanzieller Turbulenzen könnte eine davon sein. Wolseley, DSG International und Signet sind die vorerst letzten in einer Reihe von Unternehmen, die eine Gewinnwarnung ausgesprochen haben. Diese mittelständischen britischen Firmen finden sich auf einer ziemlich illustren globalen Liste neben Ericsson, FedEx, Starbucks und scheinbar jeder erdenklichen Finanzgesellschaft, die es da draußen gibt, wieder.

Tolstoi hat einmal gesagt, dass jede unglückliche Familie ihre eigene Vorgeschichte hat. Nur wenige der heute unglücklichen Unternehmen haben aber eine ganz bestimmte Vorgeschichte. Sie behaupten fast alle unisono, direkt oder indirekt darunter zu leiden, dass die Kreditbedingungen im Sommer von überliquide auf kritisch umgeschlagen sind. Das trifft auf Finanzinstitutionen eindeutig zu, die deswegen bereits etwa 50 Mrd. Dollar verloren haben und noch weitere Ausfälle befürchten müssen.

Aber abgesehen von den Bereichen Finanzen und US-Immobilien – letztere sind auf dem Aktienmarkt kaum vertreten -, ist die Kreditkrise vermutlich nicht vollständig für die Gewinnwarnungen verantwortlich. Die Gewinne der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, die im S&P-500-Index abgebildet werden, sind im dritten Quartal im Vorjahresvergleich tatsächlich um sieben Prozent gestiegen, berichtet Reuters Advisory.

Also warum kämpfen dann einige der Unternehmen außerhalb des Finanzbereichs? Sie könnten sich sehr wohl als die ersten Zeugen wirtschaftlicher Probleme herausstellen, die viel umfassender sind. Es könnte doch sein, dass kostenbewusste Verbraucher plötzlich bei Starbucks ein paar Frappuccinos weniger trinken. Vielleicht halten sich vorsichtige Telekom-Gesellschaften bei der Mobilfunkinfrastruktur von Ericsson zurück. Während die weiter gewordenen Kreditspannen und das abflauende Wachstum sich nun bemerkbar machen, werden sich die Gewinnprobleme wahrscheinlich ausdehnen.

Aber in einigen Fällen könnten die finanziell harten Zeiten auch, zumindest teilweise, als Deckmäntelchen herhalten, wenn man Nachrichten überbringen muss, die selbst in einem günstigeren Umfeld ziemlich schlecht gewesen wären. Einige Unternehmen wachsen immer zu schnell, geraten immer auf die falsche Seite des technologischen Umbruchs oder bieten ihren Kunden immer eine unattraktive Produktmischung an.

Wenn diese Unternehmen dann ihre Schwierigkeiten erklären müssen, greifen sie oft auf eine lahme Ausrede zurück – das Wetter oder eine Änderung in der Bewertung der Lagerbestände. Jetzt können sie - um wen auch immer es sich handelt – eine viel plausiblere Erklärung anbieten: Es war die Kreditkrise.

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