Glencore
Mächtiger Investor

Die brasilianische Minengesellschaft Vale bietet 87 Mrd. Dollar für ihren britischen Konkurrenten Xstrata. Aber der schweizerische Metallhändler Glencore, der größte Aktionär von Xstrata, hat den Plan angesichts der Konditionen vereitelt. An diesem Beispiel könnten andere Unternehmen lernen, wie man sich gegen einen Großaktionär behauptet, der Eigeninteressen verfolgt.

Es klingt wie ein vertrautes Thema: Ein großer Investor trampelt auf vielen kleinen Anlegern herum. Vale, der brasilianische Bergwerksriese, hat eine kombinierte Bar- und Aktien-Offerte für den britischen Konkurrenten Xstrata über 87 Mrd. Dollar vorgelegt. Aber der größte Einzelaktionär von Xstrata, der schweizerische Metallhändler Glencore, hat das Gebot zurückgewiesen. Nicht nur wegen des Preises, der einem Aufschlag um rund 30 Prozent gegenüber dem Aktienkurs von Xstrata vor der Offerte entspricht, sondern weil Vale bei einem geplanten Zusatz-Deal nicht genug Extrawürste für Glencore brät.

Geht Glencore einfach rücksichtslos über die Interessen der anderen Investoren hinweg? Nun, zumindest teilen die Schweizer sicher deren Ansichten nicht hundertprozentig. Abgesehen davon, dass Glencore ein wichtiger Investor von Xstrata ist, nimmt der Händler auch noch Gebühren für die Vermarktung der Metalle der britischen Minengesellschaft ein. Wenn Glencore mit Vale dasselbe Arrangement vereinbaren könnte, dann würden zusätzliche Einnahmen fließen. Wenn Glencore umgekehrt diese Extra-Einnahmen nicht bekommt, könnte das Unternehmen die gar nicht mal so unattraktive Offerte über den Haufen zu werfen.

Das ist vielleicht nicht fair. Aber die anderen Anleger haben immer gewusst, dass der 35-prozentige Anteil von Glencore und seine zwei Sitze im Board praktisch alle anderen zur Minderheit machen. Darüber hinaus war die Position der schweizerischen Gruppe eindeutig, seitdem die Übernahme am Ende des vergangenen Jahres zum Thema gemacht worden war. Glencore will Aktien an dem neuen Unternehmen und einen Vertrag mit zehnjähriger Laufzeit für die Vermarktung der NE-Metalle von Vale. Wenn Vale dies damals für unzumutbar gehalten hat, dann hat sie sich zumindest nicht laut geäußert, sagen mit der Situation vertraute Personen.

Den anderen Investoren bleibt in der Zwischenzeit nichts anderes übrig, als zuzuschauen. Sicher sind sie einigermaßen geschützt: Das britische Übernahmegesetz besagt, dass, wenn Vale tatsächlich eine Offerte vorlegt, die unabhängigen Aktionäre jeden zusätzlichen Deal, den die Brasilianer Glencore anbieten, niederstimmen können. Das bedeutet, dass sie zwar Glencore effektiv davon abhalten können, sie in einen schlechten Deal hineinzutreiben. Aber sie können damit die Schweizer nicht davon abbringen, einen guten Abschluss zu blockieren. Und da kein Zusatz-Arrangement für Glencore für alle anderen Anleger bedeutet, dass überhaupt keine Transaktion zustande kommt, ist diese begrenzte Macht nur ein schwacher Trost.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%