Globale Inflation
Grausames Dilemma

Nachdem die globalen Verbraucherpreise Anfang 2009 gefallen waren, haben sie, angetrieben von den Rohstoffen, ihre Aufwärtsbewegung wieder aufgenommen. Wenn sich die Weltwirtschaft erholt, die Situation auf den Arbeitsmärkten sich verbessert und die Rohstoffpreise kräftig bleiben, könnte die Inflation die geldpolitisch Verantwortlichen schnell vor eine schwierige Wahl stellen.
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Die globale Inflation dürfte die politisch Verantwortlichen mit einem grausamen Dilemma konfrontieren. Nachdem die Preise Anfang 2009 gefallen waren, haben sie in vielen Ländern ihre Aufwärtsbewegung wieder aufgenommen. Die Erhöhung des US-Erzeugerpreisindexes um 1,8 Prozent im November ist nur eines der jüngsten Beispiele für diese Entwicklung. Die Notwendigkeit, die steigende Inflation aufzuhalten, könnte die Zentralbanken bald dazu zwingen, es zu riskieren, das Wachstum zu opfern.

Der Anstieg des US-Erzeugerpreisindexes hat die Erwartungen übertroffen. Das Barometer, das die Preise von Fertigwaren misst, ist damit im Jahresvergleich voll und ganz auf positives Territorium vorgerückt, obwohl es im vergangenen Winter kräftig eingebrochen war.

Global gesehen scheint die Teuerung einigermaßen synchron zu der Stärke der jeweiligen Landeswährungen zu verlaufen. Daher haben sich die japanischen Verbraucherpreise im Verlauf des vergangenen Jahres um 2,6 Prozent abgeschwächt, da sich der Yen in Bezug auf andere bedeutende Währungen stark entwickelt hat. Die Preise in der Eurozone wiesen über das Jahr gesehen bis November eine Erhöhung auf, nachdem sie im Jahresvergleich mehrere Monate lang rückläufig gewesen waren. In Großbritannien waren die Preise im November ebenfalls geklettert.

Unter den größten der aufstrebenden Märkte weist nur China nach wie vor eine Deflation binnen Jahresfrist auf. Allerdings expandierte die Geldmenge im Aggregat M2 im November im Jahresabstand um 30 Prozent, was darauf schließen lässt, dass sich dies bald ändern könnte. Die Teuerung in Brasilien beläuft sich auf moderate 4,2 Prozent im Jahr, aber der Preisauftrieb in Russland und Indien bewegt sich in etwa im zweistelligen Bereich.

Dass die Inflation wieder auf viele globale Märkte zurückkehrt, liegt zu einem großen Teil an den Rohstoffpreisen, die in Dollar gerechnet in diesem Jahr um 39 Prozent angezogen haben bzw. um 26 Prozent, wenn man sie um den handelsgewichteten Rückgang der US-Währung bereinigt. Während sich die Weltwirtschaft erholt, dürften die Rohstoffe weiter steigen, so lange die Zinsen niedrig bleiben.

Es besteht die Gefahr, dass die wirtschaftliche Verbesserung dazu führen könnte, dass auch die Löhne wieder zu klettern beginnen. Dann würden die vorrückenden Rohstoffpreise nicht mehr länger durch fallende Lohnkosten ausgeglichen. Wenn die Zinsen niedrig blieben, dann würde der globale geldpolitische Kurs real noch expansiver wirken als ohnehin schon. Damit würden die bereits überhitzten Rohstoffpreise noch weiter angefacht - und die Verbraucherpreise so möglicherweise kräftig nach oben getrieben.

Wenn sich die Notenbanker allerdings dazu entschließen würden, der Inflation durch Zinserhöhungen entgegen zu wirken, würden sie es riskieren, die globale Wirtschaft ein zweites Mal in die Rezession zu stoßen. Einige Zentralbanker könnten den Balanceakt gerade richtig austarieren - aber es muss auch mit einigen geldpolitischen Ausrutschern gerechnet werden.

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