Globale Liquidität
Abschwung mit Blasen

Die Volkswirtschaften kämpfen mit der Rezession und fallenden Preisen. Aber viele Finanzmärkte tendieren gleichzeitig zur spekulativen Blasenbildung. Der Grund dafür könnte in einem zu schnellen Geldmengenzuwachs liegen. Wenn die Zentralbanken nicht handeln, ist eine neue Welle der Kapitalzerstörung möglich.

Die Aufwärtsbewegung an den Finanzmärkten ist verblüffend. Viele Länder leiden unter dem schlimmsten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) seit Generationen. Die Verbraucherpreise fallen in den USA, Japan, der Eurozone und in China immer noch. Aber gleichzeitig verzeichnen die Aktienkurse schon wieder Krisenhöchststände, der Rohölpreis hat sich fast verdoppelt, ausfallgefährdete Schuldtitel werden zu 90 Prozent ihres Nennwerts verkauft und die Kreditspannen schrumpfen stetig. Dieser Mini-Boom an den Finanzmärkten geht eine seltsame Verbindung mit der Deflation ein.

Geld könnte des Rätsels Lösung sein. In ihrem anti-deflationären Drang könnten die Zentralbanken mehr Geld schaffen, als die daniederliegenden Volkswirtschaften benötigen. Das Überangebot führt zu überschüssiger Liquidität, die wiederum in eine neue Reihe spekulativer Blasen an den Aktien-, Rohstoff-, Immobilien- und Anleihemärkten münden könnte.

Die These des billigen und leicht verfügbaren Geldes hört sich zunächst vielleicht falsch an. Seit Herbst 2007 kämpft die Welt gegen eine Kreditklemme: Die Banken leiden unter einer unangemessenen Kapitalausstattung und unzureichenden Finanzierungen und haben sich deshalb aus der Kreditvergabe zurückgezogen. Und während sich die Märkte zwar durchaus erhöht haben, so waren sie vorher auch dramatisch gefallen.

Außerdem ist der Standardmaßstab für die Geldmenge, der breit gefasste Geldmengenzuwachs, in den meisten führenden Volkswirtschaften derzeit weit davon entfernt, exzessiv zu erscheinen. In Japan und in der Eurozone liegen die Kennzahlen bei niedrigen Jahresraten von 2,5 bzw. 3,5 Prozent. Die Notenbanken sehen in ihren Bemühungen einen Ausgleich für den Zusammenbruch des Geldmengenmultiplikators, der sich aus der Kreditvergabe der Banken ergibt, und eine Anstrengung, eine Deflation und damit einen weiteren Wirtschaftsabschwung abzuwehren.

Doch genau dieser Rückgang des BIP könnte das Problem des überschüssigen Geldes verursachen. Die Wirtschaftsaktivitäten sind kräftig geschrumpft und die Verbraucherpreise gehen zurück. Daher ist der konstante Geldbestand real jetzt größer als vor einem Jahr. Diese deflationäre Geldmengenanpassung könnte "Überschussliquidität" hervorrufen - die in die aufnahmefähigen Märkte fließen kann.

Die Preise der Vermögenswerte könnten also weiter steigen. Da die globale Nachfrage immer noch schwach ist, die Arbeitslosigkeit um sich greift und weltweite industrielle Überkapazitäten ein Problem darstellen, begrenzen starke Gegenkräfte die Verbraucherpreisinflation. Die Zentralbanken werden daher in absehbarer Zeit die Zinsen nicht erhöhen und sie werden ihre Bemühungen, zusätzliches Geld zu schaffen, nicht umkehren.

Diese Politik könnte falsch sein. Die Lockerung des geldpolitischen Kurses muss möglicherweise in ihr Gegenteil verkehrt werden, bevor die Verbraucherpreisinflation anzieht. Die Gefahr liegt darin, dass sich die Blasen an den Finanzmärkten vervielfältigen. Und wenn sie platzen, könnten die realen Auswirkungen auf die Finanzen der Verbraucher, der Investoren und der Banken wieder durchschlagend sein. Die Weltwirtschaft könnte erneut unter Druck geraten.

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