Globale Wachstumsrate
Statistischer Abstieg

Wie schnell wächst die Weltwirtschaft? Die Antwort hängt davon ab, wie die Wachstumsrate berechnet wird – nach einem Modell oder nach den Marktbewertungen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) nutzt ein Modell. Anstatt die sich verändernden Wechselkurse am Markt heranzuziehen, setzt der IWF für jede Währung Bewertungen fest, die auf den Kosten für einen gemeinsamen Warenkorb basieren – die so genannte Kaufkraftparitäten-Theorie. Ein Haarschnitt in China und ein Haarschnitt in den USA sehen ziemlich ähnlich aus, aber die chinesische Variante kostet in Dollar viel weniger. Die Kaufkraftparitätentheorie versucht die Haarschnitte zu messen, nicht die Preise.

Um die Kaufkraftparitäten bereinigt, hat der IWF errechnet, dass das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) seit 2004 um rund fünf Prozent jährlich gestiegen ist. Für 2007 erwartet die Organisation ein Plus um 5,2 Prozent. Diese vier Jahre dürften die stärksten seit Jahrzehnten werden. China hat bei dieser Expansion eine große Rolle gespielt. Gemäß dem IWF-Modell hat das Land 2006 ein BIP- bereinigt um die Kaufkraftparitäten – von zehn Bill. Dollar erwirtschaftet. Das entspricht 15 Prozent der weltweiten Produktion.

Aber kommt das BIP Chinas wirklich auf 76 Prozent des US-BIP? Die chinesische Regierung hat das BIP für 2006 mit 21 Bill. Renminbi angegeben, das ist ein bisschen weniger als drei Bill. Dollar und entspricht 21 Prozent des US-BIP zu derzeitigen Wechselkursen. Der Renminbi ist zwar unterbewertet, aber nicht um den Faktor drei.

Die Investoren sollten misstrauisch sein. Für sie bergen die IWF-Modelle zwei gewaltige Probleme. Zunächst einmal fußen die Bereinigungen der Kaufkraftparitäten auf alten Studien. Neue Schätzungen der Asian Development Bank legen nahe, dass das bereinigte BIP Chinas 2006 bei 4,4 Bill. Dollar lag, also „nur“ um 65 Prozent höher als die berichtete Zahl. Im kommenden Jahr dürfte der IWF dann diese Zahlen übernehmen.

Zweitens sollten sich die Anleger nicht allzu sehr mit den Bereinigungen um die Kaufkraftparitäten aufhalten. Der Shanghaier Haarschnitt bleibt ganz sicher in Shanghai. Worauf es für die globalen Märkte ankommt, ist die Marktwirtschaft, insbesondere die Exporte und die Importe, die zu den Wechselkursen des Marktes bewertet werden.

Zu solchen Bewertungen sieht die Welt viel weniger investorenfreundlich aus. Der schnell wachsende Anteil der Entwicklungsländer am BIP von 2006 sinkt von um die Kaufkraftparitäten bereinigten 49 Prozent dann auf nur noch 25 Prozent, berichtet die Deutsche Bank.

Darüber hinaus ist das weltweite Wachstum in letzter Zeit, zu Marktpreisen, um 3,5 bis vier Prozent niedriger gewesen als Mitte der 80er Jahre. Für 2006 wurde demnach ein Plus von 3,8 Prozent verzeichnet. Nicht nur bei Hypothekendarlehen können die Märkte härter sein als die Modelle.

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