Glück oder Gier?
Kasinomentalität bei Wynn-Börsengang

Glücksspielmogul Steve Wynn will sein Macao-Geschäft zum 34fachen des Gewinns an die Börse bringen, das entspricht einem Aufschlag gegenüber den börsennotierten Wettbewerbern. Dass Käufer einen solchen Preis zahlen wollen, ist sogar im chinesischen Las Vegas kaum mit der Realität in Einklang zu bringen. Das Spekulationsfieber hat vom Kasino auf die Börse übergegriffen.
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Steve Wynn hat eine Portion Wettfieber enthüllt. Der US-Glücksspielmogul will durch die Platzierung von 25 Prozent seines Macao-Geschäfts an der Börse von Hongkong 1,6 Milliarden US-Dollar einnehmen, um damit die in seinem Las-Vegas-Imperium aufgelaufenen Schulden etwas zu reduzieren. Er hätte sich keine bessere Zeit aussuchen können. Wilde Spekulation hat von den Spieltischen auf die Börse übergegriffen.

Chinas einzige legale Zockerenklave befindet sich in einer Glückssträhne. Die Umsätze gingen zwar im letzten Jahr zurück, genau wie in Las Vegas, der Stadt der Sünde. Das Problem in Macao war aber politischer Natur. Peking ging viel strenger bei der Vergabe von Visa vor, nachdem ein Lokalpolitiker zuviel am Baccaratisch erwischt wurde. Dieser Trend kehrt sich nun um. Im August verbuchte Macao Glücksspielumsätze auf Rekordniveau, und Analysten erwarten im kommenden Jahr ein 20prozentiges Wachstum nach der stagnierenden Ausbeute dieses Jahres.

Wynn ist in einer besonders guten Position. Als einer von wenigen globalen Kasinokonzernen bietet seine Gruppe Investoren einen konzentrierten Zugang zum Luxussegment in Macao. Der in Macao den ananasförmigen Grand-Lisboa-Komplex betreibende Markführer SJM Holdings ist eher im Massengeschäft verankert. Das hoch verschuldete Las Vegas Sands plant zwar ebenfalls einen Börsengang, steht aber weiter hinten in der Schlange der Börsenkandidaten.

Allerdings können weder das Wachstum von Macao noch Wynns Seltenheitswert die hohen Bewertungen rechtfertigen. Am oberen Ende der Preisspanne würde Wynns Macaogeschäft mit dem 13fachen des Betriebsgewinns (Ebitda) für 2010 bewertet, das ist ein Aufschlag gegenüber den Wettbewerbern und 57 Prozent mehr als bei SJM. Das Fehlen des üblichen Abschlages bei Börsengängen zeigt, wie überschwänglich der Markt geworden ist.

Zudem könnte Macao bald vom typisch chinesischen Problem der Überkapazität heimgesucht werden. Bis zum Jahr 2011 werden in der Sonderverwaltungszone 42 Prozent mehr Spieltische und 66 Prozent mehr Hotelzimmer zur Verfügung stehen. Schon die bestehenden Herbergen sind im Durchschnitt nur zu zwei Dritteln ausgelastet. Und selbst wenn die chinesischen Extremzocker Macao die Treue halten, werden andere Glücksspielparadiese wie Singapur versuchen, die gleichen mit hohen Einsätzen spielenden Zockerkönige anzulocken, auf die auch Wynn zählt. Das könnte zu einem schlimmen Preiskampf führen.

Diese Probleme scheinen weit entfernt zu sein, doch auf lange Sicht gewinnt immer die Bank. Wahrscheinlich hat Wynn selber die beste Wette platziert, indem er die fiebernden asiatischen Börsen nutzt, um sein US-Geschäft zu rekapitalisieren.

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