GM/Opel
GM zerrt an den Nerven der Deutschen

Bemerkungen von General Motors deuten darauf hin, dass der Autobauer seine europäischen Aktivitäten schließlich doch behalten könnte, wenn der potenzielle Käufer Magna nicht bessere Konditionen bietet. Aber nach Monaten harter Verhandlungen muss der verstaatlichte US-Autokonzern sich darüber klar werden, dass er sich die deutsche Regierung und die deutschen Gewerkschaften nicht zum Feind machen sollte.
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Das ist die beste Idee, die bislang in der Opel-Diskussion auf den Tisch kam: die Unternehmenseinheit einfach im Konzern behalten. Der problematische europäische General-Motors-Zweig steht zum Verkauf, seit die Zukunft des Mutterhauses zu Beginn des Jahres in Frage gestellt wurde. Seitdem hat sich der Nebel etwas verzogen. Die US-Regierung übernahm nach einem kurzen Konkursverfahren das Ruder bei GM. Aber die langwierigen Verhandlungen um die deutsche Opeltochter dauern schon drei Monate an und GM scheint mit keinem der Vorschläge der potenziellen Käufer besonders glücklich zu sein. Ein Grund liegt in den engen Produktions- und Technologiebanden, die das US-Stammhaus nicht gern aufgeben möchte. Warum also nicht nochmal einen Schritt zurück ans Reißbrett und die Sparte behalten?

Das Problem dieser schönen Vorstellung: Deutschland, die Heimat rund der Hälfte der gesamten Opel-Belegschaft. Angela Merkels Regierung hat sich verpflichtet, Opel zu unterstützen - mit rund 3 Milliarden Euro in Form von Finanzgarantien. Hinzu kommt ein 1,5-Milliarden-Euro-Überbrückungskredit, den Opel im vergangenen Mai von der Regierung erhielt, als GM in die Verhandlungen mit dem kanadischen Zulieferer Magna eintrat. Aber bisher kam keine Eigung zwischen GM und Magna zustande und die anderen Bewerber verursachen bei der deutschen Regierung eher Stirnrunzeln.

Das Magna-Gebot wird zum großen Teil von der größten russischen Bank, Sberbank, finanziert, die Verbindungen zum strauchelnden russischen Autoproduzenten Gaz unterhält. Die GM-Führungsspitze ist über einen Technologietransfer nach Russland ebensowenig begeistert wie über die potenzielle zukünftige Konkurrenz auf dem russischen Markt durch Opel. Auf der anderen Seite liebäugelt Deutschland mit der Magna-Variante, weil sie mehr Arbeitsplätze sichert als die alternativen Angebote.

Was auch immer bei den Gesprächen herauskommen wird, wie GM es sich leisten kann, sich die deutsche Regierung und die deutschen Gewerkschaften zum Gegner zu machen, während das Unternehmen mit dem Hut in der Hand vor der Tür steht und um öffentliche Mittel bettelt, ist schwer zu verstehen. Der US-Konzern hat Deutschland schon dadurch verärgert, dass er die Opel-Krise nicht früher aus der Welt geschafft hat. Am 27. September finden die Bundestagswahlen statt und Angela Merkel will den Wählern eine langfristige Lösung für die Opel-Nöte präsentieren.

Vielleicht will GM mit dem Versuch eine andere Lösung zu schmieden aber auch nur bessere Konditionen aus Magna herauskitzeln. Dabei sollte der Konzern aber nicht übersehen, dass das auch ein Spiel mit dem Feuer ist.

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