GM-Schuldenswap
Die Gläubiger haben den Schwarzen Peter

US-Präsident Obama sollte nicht schon wieder die Anleiheinhaber zum Sündenbock für die Insolvenz eines angeschlagenen Autobauers machen. Die GM-Gläubiger haben – wie vorher die von Chrysler – einen Schuldenswap endgültig abgelehnt. In beiden Fällen waren die Offerten an die Gläubiger von Vornherein zum Scheitern verurteilt, weil die US-Regierung den Gewerkschaften den Vorzug gab.
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US-Präsident Barack Obama würde den Anleiheinhabern von GM wohl nur gar zu gern eine tüchtige Abreibung verpassen. Sie hatten die Offerte des angeschlagenen Autobauers, Schuldtitel über 27,5 Mrd. Dollar gegen eine Beteiligung von zehn Prozent - ein Niveau, das die Regierung festgelegt hatte - zu tauschen, entschieden niedergestimmt. Somit ist ein Insolvenzantrag des Autoproduzenten in den kommenden Tagen fast unausweichlich geworden. Als die Gläubiger von Chrysler im vergangenen Monat ähnlich vorgegangen waren, hatte der US-Präsident sie öffentlich beschimpft. Doch die GM-Gläubiger sollten nicht schon wieder zum Sündenbock gemacht werden.

Sie wie die Chrysler-Verweigerer als reine "Spekulanten" darzustellen, ist bei den GM-Investoren ohnehin viel schwieriger. Denn unter den Anleiheinhabern von GM stellen Privatkunden eine bedeutende Minderheit. Es handelt sich um ganz normale, auf Sicherheit bedachte Anleger. Sie hatten die Schuldtitel des größten Autobauers in Detroit in dem Glauben gekauft, damit stabile langfristige Renditen einfahren zu können.

Darüber hinaus haben die GM-Gläubiger entscheidend dazu beigetragen, die Firma in den vergangenen Jahren über Wasser zu halten: Vor sechs Jahren hatte das Unternehmen mit unbesicherten Anleihen mehr als 17 Mrd. Dollar eingesammelt. Sie trugen dazu bei, das klaffende Loch von 19 Mrd. Dollar in den Pensionsprogrammen der GM-Mitarbeiter zu stopfen.

Gier war auf jeden Fall weder bei den besicherten Gläubigern von Chrysler noch bei den unbesicherten Anleiheinhabern von GM im Spiel, als sie die jeweiligen Offerten zurückwiesen. Beide Gruppen waren sich sehr wohl bewusst, dass sie beträchtliche Einbußen verkraften mussten, wenn sie zur Sanierung der Autobauer beitragen wollten. Sie schreckten vielmehr davor zurück, dass die Regierung unter Präsident Obama den Gewerkschaften so eindeutig den Vorzug gab.

Im Fall von Chrysler standen die Gläubiger in der Hackordnung weiter oben. Und im Fall von GM schuldete das Unternehmen ihnen viel mehr Geld als dem Gesundheitstrust der Autogewerkschaft UAW. Doch beide Male hatte die US-Regierung den Mitarbeitern ein besseres Angebot unterbreitet. Damit waren beide Offerten - und damit jede Chance, den Insolvenzantrag zu umgehen - von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

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