Goldman Sachs
Die Abkopplung liegt auf Eis

Noch im vergangenen Jahr sprühten die Volkswirte von Goldman Sachs regelrecht vor Enthusiasmus, wenn es darum ging, wie die Bric-Länder die Welt verändern. Jetzt ist eigentlich nur noch von einer „Wiederankopplung“ und den „Risiken einer Abwärtsbewegung“ die Rede. Der Grund für den Meinungsumschwung ist in der Kehrtwende eines Rohstoffs zu suchen, der wirklich global ist: Kredite.

Erinnern Sie sich noch an den “schönen neuen Konjunkturzyklus”? Diese Idee haben die Volkswirte von Goldman Sachs im vergangenen Jahr vehement propagiert. Die Investmentbank, die die Abkürzung “Bric” für die Länder Brasilien, Russland, Indien und China geprägt hat, war davon ausgegangen, dass diese schnell wachsenden Volkwirtschaften den Rest der Welt mit sich nach oben ziehen. Nun, ein Jahr ist eine lange Zeit, wenn es um Wirtschaftsprognosen geht.

Der Optimismus von Goldman war für 2007 gerechtfertigt - zumindest bis kurz vor dem Jahreswechsel. Das weltweite Bruttoinlandsprodukt steigerte sich nach der Berechnung der Investmentbank um eindrucksvolle 4,7 Prozent. Die Brics taten wie geheißen und wuchsen um 9,9 Prozent. Auch bei der Vorhersage über einen milden Abschwung für die USA lag Goldman mehr oder weniger richtig.

Aber das Kernstück für den Optimismus der Bank hält der Realität nicht mehr länger stand. Die positive Weltsicht des Kreditinstituts kreiste nämlich um die Vorstellung der „Abkopplung“ – um die Idee, dass eine wirtschaftliche Verlangsamung in den USA sich nur geringfügig auf den Rest der Welt auswirken würde. Dieses Konzept wurde nun bis auf weiteres verschoben. In diesem Jahr geht man von einer leichten „Wiederankopplung“ aus. Die globale Wirtschaft dürfte 2008 um 3,6 Prozent zulegen. Und diese Prognose ist von vielen „Risiken einer Abwärtsbewegung“ begleitet.

China gibt Anlass zur Besorgnis. Obwohl die Goldman-Volkswirte ein Wachstum von zehn Prozent für 2008 und für 2009 veranschlagen, sehen sie die Gefahr einer aus dem Gleichgewicht geratenen Wirtschaft – eine zu hohe Inflation und eine zu große Exportabhängigkeit. Die Wechselkurse und das Bankensystem müssen gut gesteuert werden, wenn die Wirtschaft wieder ins Lot kommen soll.

Aber solche lokalen Anpassungen erklären noch nicht, warum die Abkopplungstheorie auf Eis gelegt wurde. Der Hauptgrund dafür ist der dramatische Wandel bei der Versorgung mit einem wirklich globalen Rohstoff: Kredite.

Vor einem Jahr gab es überall auf der Welt Darlehen im Überfluss. Seitdem haben die Liquiditätsgezeiten von Flut auf Ebbe gewechselt. Aufgrund der effizient arbeitenden globalen Kapitalmärkte, wurden die Auswirkungen des Zusammenbruchs des US-Immobilienmarkts bis in den letzten Winkel übertragen.

Das schnelle Wachstum der Bric-Länder könnte in den kommenden fünfzig Jahren gut und gerne einen Trend vorgeben, wie Goldman immer noch behauptet. Auch die Globalisierung könnte sich durchgesetzt haben. Aber auf einem einzigen weltweiten Kapitalmarkt wird eine Abkopplung schwierig – selbst für Brics.

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