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Goldman Sachs: Die Wall Street ist tot, es lebe die Wall Street

Goldman Sachs erzielt im ersten Quartal ein Ergebnis von 1,8 Mrd. Dollar, erweitert die Bilanz und will den Mitarbeitern mehr zahlen - und zwar trotz der Verluste im Eigengeschäft und magerer Resultate in einigen Kernbereichen. Goldman scheint beweisen zu wollen, dass das alte Modell der Wall-Street-Investmentbank noch lebt.

von Antony Currie (breakingviews.com)

Während der Panik von 2008 war angeblich auch das Modell der alten Wall Street-Investmentbank unter die Räder gekommen. Aber anscheinend hat Goldman Sachs davon nichts mitbekommen. Die Kreditkrise hat Bear Stearns und Lehman Brothers den Garaus gemacht und Merrill Lynch die Unabhängigkeit gekostet. Goldman, die als Letzte der Wall Street-Firmen an die Börse gegangen war, hat sich von ihren Verlusten im vierten Quartal erholt und in den ersten drei Monaten dieses Jahres 1,8 Mrd. Dollar eingefahren. Das ist mehr als das Doppelte dessen, was Analysten geschätzt hatten.

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Der Gewinn stellte sich trotz magerer Ergebnisse in einigen der Kernbereiche der Firma ein: Erfolgsgebühren bei Hedge Fonds waren praktisch nicht vorhanden, im Eigengeschäft wurde ein Nettoverlust von 1,4 Mrd. Dollar verbucht und die gedrückten Märkte für Aktien und Fusionen und Akquisitionen zogen die Gebühren im Investment Banking und die Einnahmen im Bereich Prime Brokerage, dem Handel, der Wertpapierleihe und der Verrechnung für Hedge Fonds, in Mitleidenschaft.

Goldman Sachs und sein Hauptkonkurrent Morgan Stanley hatten vor einigen Monaten die Flucht nach vorn ergriffen und sich zu Bank-Holdinggesellschaften gewandelt. Angesichts der Quartalsergebnisse von Goldman drängt sich dem Betrachter nun aber der Schluss auf, die Firma versuche zu beweisen, dass das Modell der Investment Bank, das sie scheinbar aufgegeben hat, gesund und munter fortbesteht. Erstens einmal haben die im Dunklen bleibenden Handelsaktivitäten der Firma den größten Schwung verliehen.

Zweitens hat Goldman, fast als wolle das Management dem US-Kongress eine lange Nase drehen, mehr Einnahmen als im letzten Jahr beiseite gelegt, um damit die Mitarbeiter zu bezahlen - und zwar sowohl als Prozentsatz der Einnahmen als auch auf absoluter Basis.

Und die Goldman-Spitze scheint zudem dem Schrumpfen der Bilanz der Gruppe Einhalt geboten zu haben. Sicher, die Vermögenswerte sind seit dem vorhergehenden Quartal nur um fünf Prozent auf 925 Mrd. Dollar gestiegen. Doch dies steht in einem deutlichen Kontrast zum Deleveraging, also dem Abbau von einen hohen Anteil von Fremdkapital enthaltenden Positionen, der den Finanzsektor seit über einem Jahr ergriffen hat.

Das ist eine recht angriffslustige Taktik für eine Firma, die darauf hofft, das US-Finanzministerium davon zu überzeugen, das von den Steuerzahlern finanzierte Kapital von zehn Mrd. Dollar zurückzahlen zu dürfen, das ihr im vergangenen Herbst aufgedrängt worden war.

Doch Goldman scheint über die Zahlen zu verfügen, auf die sie sich stützen kann und die der Firma dabei helfen, die Aktionäre dazu zu bringen, Geld für ihren Aktienverkauf über fünf Mrd. Dollar beizusteuern. Wenn man Goldman als Beweis heranziehen kann, dann ist die Wall Street noch nicht begraben.

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