Goldman Sachs
Lloyd, der Baumeister

Goldman Sachs hat New York völlig in der Hand. Um die Politiker dazu zu veranlassen, die Bau- und Sicherheitsarbeiten rund um die neue prunkvolle Zentrale zu beschleunigen, muss sich die Investmentbank aber etwas einfallen lassen. Goldman könnte anbieten, die Bauaufsicht zu übernehmen – und sogar einige ihrer Mitarbeiter dazu überreden, selbst Hand anzulegen.

Goldman Sachs hat New York völlig in der Hand. Vor drei Jahren hatte die Stadt Steuervergünstigungen über mindestens 115 Mill. Dollar angeboten, um die Wall Street-Firma dazu zu überreden, ihre neue Zentrale downtown zu bauen anstatt in die Mitte Manhattans oder gar – Gott bewahre! – nach New Jersey umzuziehen. Jetzt müssen die Stadt und der Bundesstaat New York der Investmentbank gemeinsam vielleicht fast drei Mal so viel zahlen, wenn die Sicherheitspläne und die Bauarbeiten rund um den neuen Standort der Firma nicht vor 2010 fertig gestellt sind.

Das hört sich jetzt vielleicht nach einem weiteren schlauen Immobilien-Hedge von Goldman Sachs an, wenngleich diese Absicherung nicht ganz so lukrativ ausfällt wie die Milliarden, die die Firma durch Leerverkäufe von Subprime-Hypothekendarlehen eingefahren hat. Aber dieses unerwartete Geschenk der Behörden könnte sich ziemlich schnell wieder in Luft auflösen, wenn die Mitarbeiter der Investmentbank unaufhörlich Schadensersatz für all die in mühseliger Handarbeit genähten Schuhe und die gedeckten, nach Maß geschneiderten Anzüge fordern müssen, die ruiniert werden, wenn sich ihre Träger täglich über eine Baustelle zu ihrem Arbeitsplatz vorkämpfen müssen. Und zudem ist es vielleicht nicht die beste PR, wenn eine der rentabelsten Finanzfirmen des Landes eine Zuwendung von den immer stärker unter Geldknappheit leidenden Lokal- und Regionalregierungen annimmt.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg rechnet damit, dass die Stadt ihrer Verpflichtung, einen Sicherheitsplan zu installieren, nachkommen wird. Aber damit ist immer noch die in Albany ansässige Regierung des Bundesstaats New York mit 160 Mill. Dollar für Bauverzögerungen in der Pflicht. Die Goldman-Manager müssen jetzt darauf hoffen, dass die Aussicht darauf, eine solch große Summe auszahlen zu müssen, den Politikern als Anreiz ausreicht, die Arbeit zu beschleunigen. Aber dafür gibt es keine Garantie – für Bürokraten gelten andere Gesetze als für Kapitalisten.

Vielleicht sollte der Goldman-Chef Lloyd Blankfein deshalb vorschlagen, dass die Firma auf sämtliche Vertragsstrafen verzichtet und im Gegenzug das Recht zur Bauaufsicht erhält. Er könnte dann die Peitsche schwingen, während der Staat die Rechnung übernimmt. Und wenn es immer noch so aussieht, als könnte es schwierig werden, den Abschlusstermin einzuhalten, könnte Blankfein einige seiner Mitarbeiter einbestellen. Schließlich haben viele von ihnen auf „freiwilligen“ Wohltätigkeitsmissionen etwa bei Habitat for Humanity, einer christlichen Wohnungsbauorganisationen, die erschwingliche Häuser für Bedürftige baut, Erfahrungen als Heimwerker gesammelt. Und wenn die derzeitige Marktflaute anhält, dann sind sowieso einige Leute aus den Abteilungen Hypothekendarlehen und Übernahmefinanzierungen auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung.

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