Goldman Sachs
SIV soll bestehen bleiben

Goldman Sachs hat einen Plan ausgebrütet, mit dem sie das insolvente 7 Milliarden Dollar schwere Investmentkonstrukt Cheyne Finance retten will. Ein Teil der enthaltenen Werte soll verkauft werden, um für die verbleibenden einen realistischen Wert bestimmen zu können. Neuaktionären wird das Modell nicht gefallen, weil ihnen der Zugang verschlossen bleibt. Aber so einfach wie der Plan ist, könnte er zum attraktiven Präzedenzfall werden.

Die Rettung von Cheyne Finance, des insolventen strukturierten Investmentvehikels (SIV), beschwört nostalgische Gefühle herauf. Erstens, weil SIVs im vergangenen Jahr zu den ersten Opfern der Kreditkrise zählten. Und zweitens, weil Goldman Sachs? Rettungsplan Erinnerungen an eher antiquierte Vorstellungen von gesundem Menschenverstand und einfachen Lösungen weckt.

So soll der Ansatz aussehen: Goldman versteigert einen kleinen Teil der Vermögenswerte aus dem SIV, um eine Vorstellung vom Marktwert der verbleibenden Werte zu gewinnen. Cheyne wird dann die restlichen Bestände des SIV an ein neues Konstrukt veräußern. Die Anteile der Altinvestoren von Cheyne können entweder auf das neue Vekhikel übertragen werden oder die Eigentümer können ihre Verluste durch einen Komplettverkauf realisieren.

Für Neuinvestoren und Eigenkapitalgeber, die mit etwa 10 Prozent an der Finanzierung des SIV beteiligt waren, sind das schlechte Nachrichten. Sie gehen leer aus, auch wenn für die versteigerten Vermögenswerte unerwartet hohe Preise erzielt werden können. Deloitte & Touche, die Nachlassverwalter von Cheyne Finance, können das immer damit begründen, dass der "reale" Marktwert - wenn alle Vermögenswerte auf einmal auf den Markt geworfen würden - geringer ist.

Die Opferung aller anderen Kapitalgeber außer den Altinvestoren ist der Grund, warum das Modell so einfach ist. Die Entscheidung über die zukünftige Form des Investmentkonstrukts ist wesentlich einfacher, wenn nur eine Klasse von Anlegern zu berücksichtigen ist. Auch der Rückgriff auf den Markt, anstelle von komplexen Rechenmodellen, um den Wert des Inventars zu bestimmen, hilft. Am besten aber ist, dass der Plan Notverkäufe verhindert, durch die die Preise weiter in den Keller rutschen würden.

Das Modell könnte sich auch für einige andere festgefahrene SIVs eignen - mit einem geschätzten Vermögenswert von rund 200 Milliarden Dollar. Auch andere Ansatzpunkte in der Unternehmenswelt sind denkbar, überall dort, wo Insolvenzverwalter bei der Verwertung von Vermögensgegenständen freie Hand haben.

Goldman hat jedenfalls einen echten Coup gelandet. Der Bank gebührt der Ruhm, den SIV-Knoten gelöst zu haben. Das dürfte ihr auch bei zukünftigen Restrukturierungen einen vorderen Platz sichern. Und einen Tag lang, während die Umbuchung stattfindet, wird Goldman buchstäblich seine Bilanz vermieten - unzweifelhaft gegen saftige Gebühren. Wenn die SIV-Saga dann wirklich Geschichte geworden ist, wird man sich nicht mehr nur an Verlierer erinnern.

Quelle: breakingviews.com

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%