Golfregion
Fata Morgana im Wüstensand

Noch vor anderthalb Jahren Monaten drängten Investmentbanker aus New York und London in Scharen in die Golfregion. Doch die Petrodollar dort in Bankgebühren und Provisionen umzumünzen, gestaltet sich mühsamer als erwartet. Die Hinweise mehren sich, dass die Banken ihr Geschäft zurückschrauben.
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Aus der Golfregion Kapital zu schlagen, erweist sich als harte Arbeit. Als die Finanzkrise im Jahr 2007 ihren katastrophalen Lauf nahm, reagierten die Investmentbanken unter anderem damit, dass sie einige ihrer Spitzentalente in die vorderasiatische Wüste schickten.

Die Chancen schienen klar auf der Hand zu liegen. Staatsfonds aus Abu Dhabi, Kuwait und Katar verabreichten taumelnden westlichen Banken Finanzspritzen über mehrere Mrd. Dollar. Goldman Sachs hatte prognostiziert, dass das Barrel Rohöl innerhalb von zwei Jahren einen Preis von 200 Dollar erreichen könnte. Da sollte es doch sicher möglich sein, sich im Geschäft mit der Beratung, wie dieser anschwellende Strom an Petrodollar auf der ganzen Welt investiert werden könnte, erkleckliche Gebühren zu sichern.

Doch die Honigtöpfe der Golfregion scheinen nach wie vor eher einer Fata Morgana im Wüstensand zu ähneln. Die Zahl der Mitarbeiter westlicher Investmentbanken am Golf war im Verlauf der Jahre 2007 und 2008 um durchschnittlich 30 bis 40 Prozent gewachsen, schätzt ein Banker. Einige Institute expandierten sogar noch schneller. Und jetzt verkehrt sich die Entwicklung in ihr Gegenteil.

Nomura, ehemals Lehman Brothers, und Merrill Lynch haben ihre "Globalen Leiter für Staatsfonds" verloren, nachdem die Banker die Unternehmen verlassen haben oder an einen anderen Einsatzort versetzt wurden. Morgan Stanley hat drei ihrer Positionen auf der obersten Führungsebene in Dubai auf nur noch zwei zusammenschrumpfen lassen. Und Barclays will angeblich keinen Nachfolger für Roger Jenkins suchen, den ehemaligen Chairman für das Investment Banking und Investment Management für den Nahen und Mittleren Osten.

Abseits der hoffnungsfrohen Luftspiegelungen sind die Banken auf eine harte Realität gestoßen: Es ist schwer, am Golf reich zu werden. In den Anfangstagen stiegen die Einnahmen der Banken in etwa im Einklang mit den Angestelltenzahlen, wenn auch von einer kleinen Basis aus. Aber der Wettbewerb war von Beginn an heftig. Und der von Familien bestimmte Kundenstamm in der Region ist nicht daran gewöhnt, für Ratschläge Geld zu zahlen. Die meisten der so genannten "Event"-Mandate werden rein über den Preis errungen.

Während sich die Investmentbanken zwar zurückziehen, so verlassen sie die Golfregion dennoch nicht ganz. Die langfristigen Chancen am Golf bleiben viel versprechend. Das Bruttoinlandsprodukt wird im kommenden Jahr in der Region real um vier Prozent steigen, schätzt die Weltbank. Aber die Finanzinstitute lernen jetzt auf die harte Tour, dass es hier genau so schwer sein wird wie überall sonst auf der Welt, diese wirtschaftliche Expansion in Bankprovisionen umzumünzen.

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