Google/Doubleclick
Herzensgut

Die europäische Wettbewerbsaufsicht unterzieht die Übernahme von Doubleclick durch Google einer harten Prüfung. Bei dem Nachweis, dass die Fusion die Vormachtstellung des Suchmaschinenbetreibers bei der Internet-Werbung verstärkt, könnten die Kartellwächter allerdings Schwierigkeiten haben. Und Missbrauch abzuwenden, dürfte noch schwerer werden.

Google versichert, zu nichts Bösem fähig zu sein. Doch die europäischen Wettbewerbshüter sind davon nicht überzeugt. Die EU-Kommission wird die Übernahme der Online-Werbefirma Doubleclick durch Google für 3,1 Mrd. Dollar einer genaueren Überprüfung unterziehen. Sie befürchtet, eine Zusammenlegung der beiden Unternehmen könnte den Burggraben, der die schnell stärker werdende und sowieso schon dominante Stellung von Google im Bereich Internet-Werbung umgibt, noch vertiefen.

Man kann ihre Besorgnis verstehen. Google verfügt über rund 60 Prozent des globalen Markts für die Werbung bei der Internetsuche. Auf der anderen Seite waren die Versuche des Unternehmens, in die Internet-Display-Werbung vorzustoßen, ein wenig enttäuschend verlaufen. Der Kauf von Doubleclick würde Google zu einer führenden Stellung in einem verwandten Markt verhelfen.

Es könnte den Kartellwächtern schwer fallen, Argumente dafür zu finden, dass die Fusion Google eine Monopolstellung verleiht. Es ist nicht klar, ob die Such- und Display-Märkte einander ersetzen oder eher einander ergänzen, wie Google behauptet. Der Beweis könnte also schwer zu erbringen sein, dass der Zusammenschluss Google die Macht zur Preisfestsetzung für die Anzeigen gibt. Die Wettbewerbshüter haben vielleicht mehr in der Hand, wenn sie argumentieren, dass eine Zusammenlegung der beiden Firmen den Wettbewerb behindern kann. Verbindet man das Wissen von Google um das Online-Verhalten der Nutzer mit der Fähigkeit von Doubleclick, deren Bewegungen im Internet zu verfolgen, dann könnte sich daraus ein erdrückender Vorteil gegenüber kleineren Unternehmen ergeben. Aber das Versprechen von Google, das Unternehmen werde die Nutzung dieser Informationen eingrenzen, könnte diese Annahme unterlaufen.

Egal, wie die Kommission schließlich entscheidet – eine Frage von größerer Tragweite wird dabei unbeantwortet bleiben: Wie effektiv können die Aufsichtsbehörden überhaupt arbeiten, wenn es um die Eindämmung technologischer Monopolstellungen geht? Nicht sehr, wie die Geschichte nahe legt. Netzwerkeffekte bringen es mit sich, dass die Nutzer Monopole bevorzugen, weil sie nützlich sind – wer will schließlich der einzige Mensch sein, der mit WordPerfect arbeitet? Und die Mühlen der Justiz arbeiten tendenziell viel langsamer als die Technologie voranschreitet.

Die Dominanz von IBM bei Großrechnern wurde zum Beispiel durch den Vormarsch der PCs beschnitten und nicht durch die Erfolge der Juristen. Und während die Aufsichtsbehörden die Vormachtstellung von Microsoft bei Betriebssystemen angreifen, scheint die größere Bedrohung darin zu liegen, dass Google ihre Vermittlerrolle abbaut. Diese Beispiele erklären vielleicht, warum die EU-Kommission den Kauf von DoubleClick so ernst nimmt – die Zeit könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen.

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