Google ist nicht immun gegen Rezessionen: Wenn das Zugpferd lahmt

Google ist nicht immun gegen Rezessionen
Wenn das Zugpferd lahmt

Es sieht ganz danach aus, als ob die Suchmaschine ihre Gewinne immer noch aus einer einzigen Quelle zieht. Eine Wachstumsabschwächung in der US-amerikanischen Wirtschaft dürfte die Budgets für Werbeanzeigen empfindlich treffen. Yahoos steiler Absturz im Jahr 2000 zeigt, wie schlimm es kommen könnte.

Trotz der großartigen Investitionen in Weltraumtourismus und Genetik, Google hat nur ein einziges Zugpferd. Der Gewinn des Unternehmens stammt fast ausschließlich aus den gewerblichen Anzeigen auf den Seiten der Suchmaschine. Jetzt, bei nachlassendem Wirtschaftswachstum, muss sich zeigen, ob der imposante Gewinngenerator – bei dem der Rezessionstest noch aussteht – nicht ins Stottern gerät. Der drastische Kurseinbruch der Yahoo-Aktie im Jahr 2000 könnte Anhaltspunkte für die Google-Prognose geben.

Wie Google war auch Yahoo zu seiner Zeit das Internet-Schwergewicht. Und die Gewinne des Unternehmens waren genauso abhängig vom äußerst konjunkturanfälligen Anzeigengeschäft. Hinzu kommt, dass der Aktienkurs von Yahoo schon fast ein Jahr vor der Rezession und noch bevor sich die Abschwächung in sinkenden Umsatzzahlen bemerkbar machte nach unten tendierte. Das Kurstal erreichte die Aktie schließlich erst im September 2001. Googles Aktien haben seit ihrem Hoch im November über ein Viertel ihres Werts verloren und offiziell hat die Rezession noch nicht begonnen.

Könnte Google seinem Vorgänger folgen und von seiner bisher höchsten Marktkapitalisierung von 172 Milliarden Dollar 97 Prozent verlieren, wie Yahoo? Das Google auf 22 Dollar je Aktie fällt, ist unwahrscheinlich – Yahoo wurde zu seinen besten Zeiten zum mehr als 600-fachen der erwarteten Gewinne pro Aktie gehandelt. Bei Google zeigt diese Kennzahl einen sehr viel vernünftigeren Wert von 29. Näher betrachtet zeigen die Indikatoren, dass Anleger bei Google in den nächsten fünf Jahren mit einem Gewinnwachstum von 12 Prozent über dem Durchschnitt des Gesamtmarkts rechnen – nicht gerade umwerfend, wenn man bedenkt, dass die Gewinne des Unternehmens im vergangenen Quartal um 40 Prozent zugelegt haben.

Auch das Geschäftsmodell der beiden Unternehmen zeigt einen fundamentalen Unterschied. Googles Suchanzeigen sind effizienter. Anzeigenkunden zahlen erst, wenn Nutzer das Inserat anklicken und auf der beworbenen Seite landen. Google-Kunden können den Erfolg ihrer Werbeinvestitionen direkt verfolgen. Dabei zeichnet sich ab, dass dieser Anzeigenweg höhere Erträge abwirft als mögliche Alternativen, wodurch Googles Suchmaschinengeschäft besser vor Konjunkturstürmen geschützt sein könnte als Yahoos. Der Konkurrent ist Marktführer beim reinen Bannergeschäft (Display Ads).

Das soll aber nicht heißen, dass ein Vergleich zwischen Google und Yahoo unsinnig ist, nur übertrieben. In schweren Rezessionsphasen kürzen gefährdete Unternehmen ihr Werbebudget, unabhängig von der Effizienz der Anzeigen. Private und gewerbliche Kunden schränken ihre Ausgaben ein, was auch bedeutet, dass Werbeanzeigen seltener angeclickt werden. Das bedeutet, dass Google unter der Immobilien- und Kreditkrise genauso zu leiden haben wird, wie Yahoo unter der Dotcomkrise.

Bisher blieb Google verschont. Kreditgeber, die in Schwierigkeiten geraten sind, wie zum Beispiel Countrywide, tendieren zu verzweifelten Marketingkampagnen, um einen Anteil an der möglichen Mini-Refinanzierungswelle zu ergattern, die durch die Zinssenkungen ausgelöst werden könnte. In anderen Branchen stehen die Ausgabenkürzungen noch bevor. Wird die Rezession aber erst zur Realität, kommen diese Reaktionen mit Sicherheit. Fast genauso sicher ist es, dass auch Googles Gewinne und seine gigantische Marktbewertung darunter leiden werden.

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