Google und Facebook
Das Imperium schlägt zurück

Die Pläne des Suchmaschinen-Riesen Google, in soziale Netzwerke einzusteigen, könnten das Spiel wenden. Google hat das Spielfeld für die Entwickler geebnet und damit Facebook in die Ecke gedrängt. Das ist eine Zermürbungsschlacht, bei der die kleinere Firma den Mut verlieren könnte.

Ganze 23 Jahre ist Mark Zuckerberg jetzt also alt. Das Facebook-Wunderkind hat seine Schöpfung bisher wie ein erfahrener Veteran immer weiter nach oben geführt. Aber nun hat er Google zu viel Zeit gelassen, eine vollkommen offene Plattform für die Bildung von sozialen Netzwerken einzurichten. Damit hat Zuckerberg Facebook möglicherweise nicht nur um den Status als heißestes Zukunftsprodukt im Internet, sondern auch um ihre Bewertung über 15 Mrd. Dollar gebracht.

Der Software-Gigant Microsoft, der 240 Mill. Dollar in Facebook investiert und damit maßgeblich zu dieser Bewertung beigetragen hat, kann sich vermutlich nur darüber wundern, wie es Google so schnell gelungen ist, diesen Überraschungsangriff zu lancieren und Microsoft damit den Applaus zu stehlen.

Es war kolportiert worden, dass Google neben der geplanten Entwicklung einer eigenen Version des iPhone und der Lenkung ihrer Aktien in immer größere Rekordhöhen auch an einem „Facebook-Killer“ arbeitet. Und die meisten Beobachter hatten damit gerechnet, dass es sich dabei entweder um ein neues soziales Netzwerk oder um die Weiterentwicklung ihrer bereits bestehenden Kontaktbörse Orkut dreht.

Aber die Antwort – OpenSocial – ist der mit Abstand bessere Giftpfeil. OpenSocial liefert einen Satz von Tools, der es externen Entwicklern ermöglicht, Anwendungen zu schaffen, die bei allen sozialen Internet-Netzwerken funktionieren. Durch diese Werkzeuge oder Schnittstellen (API) erhalten die Entwickler Zugang zu maßgeblichen Nutzerinformationen in den Netzwerken. Auf der Facebook-Plattform müssen die Programmierer eine für die Web-Site spezifische Sprache benutzen, um ihre Anwendungen zu entwickeln. OpenSocial läuft dagegen mit den Standard-Codes java und html.

Das ist ein Angriff auf den wichtigsten Vorteil, den Facebook bisher im Wettbewerb aufzuweisen hatte: Seine Förderung externer Anwendungen. Da Google gleich mit einer Reihe von Partnern, darunter MySpace, loslegt und die offene Nutzung und Entwicklung gestattet, könnte der Internetkonzern in der Lage sein, der Anwendungsplattform von Facebook das Blut auszusaugen.

Facebook hätte das verhindern können, wenn es seine Anwendungen zu einem früheren Zeitpunkt geschlossen hätte. Indem die soziale Netzwerkseite es unterlassen hat, Einschränkungen für das Entwickler-Eigentum einzuführen, hat sie Google möglicherweise die Vorlage für einen Angriffsplan geliefert. Das ist nicht das Endspiel für Facebook. Sie verfügt immer noch über ein schnell wachsendes Nutzernetz. Aber sie muss vielleicht ihren Sonderstatus aufgeben und OpenSocial beitreten.

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