Google
Zunehmende Schmerzen

Der Suchmaschinen-Gigant ist diese Woche zehn Jahre alt geworden. Die Regierung hilft beim Feiern, indem sie einem Spitzen-Wettbewerbsankläger die Untersuchung des Suchgeschäfts anvertraut. Rechtliche Auseinandersetzungen sind nur ein Grund, warum der Weg zum 20. Geburtstag nicht mehr so leicht werden wird für Google. Der Nimbus des Außenseiters ist ersetzt worden durch eine Position inmitten einer Zielscheibe.

Google wurde diese Woche zehn Jahre alt und musste erfahren, dass das US-Justizministerium einen Spitzenankläger damit beauftragt hat, ein Wettbewerbsverfahren gegen das Unternehmen wegen seiner Dominanz des Internet-Suchgeschäftes zu prüfen. Das könnte die Geburtstagsfeiern etwas trüben. Doch teure Justizschlachten sind nur ein Grund, warum die nächsten zehn Jahre für Google viel schwerer erscheinen als die erste Firmendekade. Googles Nimbus eines Außenseiters ist schnell einer Position inmitten einer Zielscheibe gewichen.

Seit den Anfängen in einer Garage im Silicon Valley vor zehn Jahren war Google nur schwer aufzuhalten. Derzeit kontrolliert die Firma nach Angaben vorn comScore etwa 62 Prozent des US-Internet-Suchmarktes. Diese Dominanz half dabei, im vergangenen Jahr Umsätze von 16,6 Milliarden US-Dollar zu erzielen.

Doch die schnell gereifte Firma sieht einige dunkle Wolken auf sich zukommen. Das Justizministerium hat ganz im Stillen den Ankläger Sanford Litvak damit beauftragt, ein Wettbewerbsverfahren gegen Google zu prüfen. Litvak war oberster Wettbewerbshüter des Justizministeriums unter US-Präsident Jimmy Carter. Das zeigt, dass die Regierung darauf aus ist, mit harten Bandagen zu kämpfen.

Der Marktanteil von Google in vielen europäischen Ländern ist übrigens noch höher, in Großbritannien etwa kontrolliert man fast 90 Prozent der Internet-Suche. Angesichts wiederholter Auseinandersetzungen zwischen der EU-Kommission und Technologie-Monopolisten aus den USA, von Microsoft über Intel bis hin zu Qualcomm, scheint es nur eine Frage der Zeit, bis Google auch in Übersee mit rechtlichen Problemen zu kämpfen haben wird.

Ernsthafte rechtliche Herausforderungen verbrauchen Ressourcen, lenken die Unternehmensführung ab, werfen einen Schatten auf die Außenwahrnehmung und sorgen für Wettbewerbsnachteile in einer sich schnell bewegenden Branche. Google muss nur auf die Mühen von Microsoft vor zehn Jahren zurückblicken, um zu sehen, womit das endet. Der Programmgigant schien unaufhaltsam, bevor das Justizministerium im Jahr 1997 begann, ihn in die Zange zu nehmen. Das eröffnete Firmen wie Google die Möglichkeit, mit Neuerungen zu punkten, während Microsoft in den Gerichtssälen ermattete.

Doch Justizschlachten sind nur eine Hürde für den Suchkönig. Weil man nicht länger als Unterlegener daherkommt, wirkt das Firmenmotto zunehmend jugendhaft einfältig. Man kontrolliert mehr Informationen über Verbraucher als irgendeine andere Firma, was Gegenreaktionen auslösen könnte, weil Datenschutz im Internet zum gesellschaftlichen Streitpunkt wird. Während Google größer wurde, ist wohl auch bei Mitarbeitern in der Firmenzentrale das Selbstbewusstsein gewachsen, was es für die Gründer Sergey Brin und Larry Page und den Vorstandschef Eric Schmidt schwieriger macht, interne Auseinandersetzungen zu befrieden.

Und dann gibt es noch den Aktienkurs. Dieser stieg von 85 US-Dollar bei der Aktienausgabe im August 2004 bis auf 747 US-Dollar im vergangenen November an, seitdem kam er jedoch wieder dem Boden der Wirklichkeit näher. Die Aktien beendeten den zehnjährigen Geburtstag mit einem Kurs von 419 US-Dollar, das ist ein 44prozentiger Abschlag gegenüber dem 52-Wochen-Hoch.

Dass Google zur Zielscheibe wurde, bereitet viele Probleme. Die vielleicht größte Bedrohung könnte aber das Beispiel sein, das man selbst gesetzt hat. Wenn rechtliche Fragen, Rückschläge bei der Kundschaft oder interne Auseinandersetzungen das Unternehmen hemmen, braucht es nur noch ein paar schlaue Jugendliche irgendwo in einer Garage, um Google bis zu seinem 20. Geburtstag alt aussehen zu lassen.

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