Googlephone
Zur Ermutigung der anderen

Das Googlephone kommt. Google verstärkt seine Bemühungen um eine Revolution im Mobilfunkmarkt durch die Einführung eines selbst entwickelten Telefons. Weil das Handy ohne Subventionierung durch die Netzbetreiber angeboten werden wird , dürfte es sich kaum zum Renner entwickeln. Dennoch ist das Gerät ein wichtiger Botschafter für das mobile Betriebssystem des Konzerns.
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Un-subventionierte Handys waren in den USA nie sonderlich gefragt. Basierend auf den Smartphone-Preisen der Konkurrenz dürfte Googles Apparat zwischen 500 und 1000 USD kosten. Die Käufer trennen sich nicht gerne von solch einem Batzen Geld auf einen Schlag. Was sie dagegen lieben sind funkelnagelneue Gadgets. Also bieten die Betreiber für gewöhnlich Zuschüsse an: ein reduzierter Kaufpreis im Gegenzug für eine mehrjährige Vertragsbindung. Der Verkauf von Handys ohne Vertragsbindung ist zudem problematisch, da sich die technischen Standards und Netzfrequenzen unterscheiden. Das bedeutet etwa, dass Telefone, die auf T-Mobile mit rasanter Geschwindigkeit funktionieren, bei AT&T im Schneckentempo arbeiten.

Warum tut sich Google das überhaupt an? Vielleicht sind manche Nutzer genervt von Rivalen wie dem iPhone und scheren sich nicht um den Preis. Andere wiederum rechnen einfach nach und entdecken, dass ein Vorabkauf sie günstiger kommt. Vielleicht macht aber auch eine Kombination aus den kostenlosen Google-Services und einem irgendwie gearteten Zuschuss durch den Konzern das Gerät wettbewerbsfähig. Wahrscheinlicher ist aber, dass das Googlephone die Konsumenten einfach hellhörig machen soll.

Der Einfluss der Netzbetreiber auf das Design der Handys ist gewaltig. Schließlich bezahlen sie den Herstellern viel Geld, um die Käufer anschließend an ihr Netz zu binden. Deshalb haben die Netzbetreiber auch kein Interesse an der Bewerbung von kostenloser Internet-Telefonie oder Text-Messages, die ihren hochprofitablen Geschäften gefährlich werden könnten. Das Googlephone ist eine Möglichkeit, um zu beweisen, wie elegant das kostenlose Betriebssystem des Konzerns mit dessen zahlreichen Applikationen Hand in Hand gehen kann, ohne dass die Netzbetreiber Sand ins Getriebe werfen.

Als Symbol könnte das Telefon also funktionieren. Wenn sich die Käufer nur noch für Handys interessieren, die im Endeffekt wie ein richtiger Computer funktionieren, werden diese eben produziert. Google könnte davon profitieren, da die Suchanfragen steigen würden und damit die lukrativen standortbezogenen Werbeeinnahmen florieren. Google misst den Erfolg deshalb vielleicht gar nicht an der Zahl der verkauften Geräte. Und das könnte die Netzbetreiber schließlich doch das Fürchten lehren.

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