Green Shoot Spotter
Mit der Wurzel ausgerissen

Der Finanzsektor mag das Schlimmste hinter sich haben. Aber die Konjunkturdaten der vergangenen Woche ließen darauf schließen, dass die ersehnte Erholung noch nicht Fuß gefasst hat. Das größte Problem ist die Arbeitslosigkeit.
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Der Green Shoot Spotter (GSS) von Breakingviews.com, mit dem die ersten Austriebe einer wirtschaftlichen Verbesserung erfasst werden sollen, ist jetzt zehn Wochen alt, aber kaum von der Stelle gekommen. In der Woche zum 1. Mai setzte das Barometer auf einem Niveau von 1,9 ein. Er lag damit knapp unter der Rubrik "Es wird langsam weniger schlimm", aber weit über dem Bereich "Immer noch in echten Schwierigkeiten". Einige Wochen lang hatte es so ausgesehen, als könnte das GSS-Niveau von 3 erreicht werden ("Nicht nur ein Stabilisierungsprozess, sondern stabil"), doch dann hat sich die Nachrichtenlage wieder verschlechtert. In der vergangenen Woche fiel der Index auf 2,0 zurück.

Trotz eines Rückgangs der Aktienkurse könnte der Finanzsektor das Schlimmste überstanden haben. Doch die Konjunkturdaten der vergangenen Woche ließen darauf schließen, dass die ersehnte Erholung noch nicht Fuß gefasst hat. Das größte Problem scheint die Arbeitslosigkeit zu sein. Die US-Arbeitsplatzverluste waren enttäuschend hoch und der Trend in Europa und Japan bleibt düster. Der GSS zeichnet - in Auszügen - folgende Lage:

Immer noch in echten Schwierigkeiten (1 auf der GSS-Skala)

1. Laut dem Jahresbericht der BIZ haben die Regierungen möglicherweise nicht schnell genug gehandelt, um problematische Aktiva aus den Bilanzen maßgeblicher Banken zu entfernen.

2. Bis Ende 2010 könnte jedes fünfte US-Hotel in Zahlungsverzug geraten, schätzt Kenneth Rosen, Volkswirt der University of California.

3. Die weltweite Nachfrage nach Rohöl könnte bis 2014 jährlich nur um 0,6 Prozent steigen, schreibt die International Energy Agency.

4. Die japanische Arbeitslosenquote ist im Mai auf den höchsten Stand seit fünf Jahren geklettert.

5. Die globalen Fluggesellschaften haben im ersten Quartal 2009 mehr als drei Mrd. Dollar verloren.

6. Weltbank-Präsident Robert Zoellick warnt, dass die globale Krise in den sich entwickelnden Ländern bei weitem noch nicht ausgestanden ist.

7. Die britische Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal um 2,4 Prozent und damit so schnell wie seit 50 Jahren nicht mehr.

8. Das US-Verbrauchervertrauen gab im Juni nach zwei Monaten gestiegenen Optimismus wieder nach.

9. Die Regierung von Kalifornien beginnt den Gläubigern Schuldscheine auszuhändigen.

10. Der US-Autoabsatz sank im Juni gegenüber dem Vormonat um 7,1 Prozent und gegenüber dem Vorjahresmonat um 28 Prozent.

11. In den USA wurden im vergangenen Monat 467 000 Stellen abgebaut, die Arbeitslosenquote erreichte mit 9,5 Prozent den höchsten Stand seit fast 26 Jahren.

Es wird langsam weniger schlimm (2 auf der GSS-Skala)

1. Die Preise amerikanischer Einfamilienhäuser sind im April gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent gefallen, aber das Abwärtstempo hat sich verlangsamt.

2. Japan dürfte im kommenden Fiskaljahr wieder wachsen, sagte der japanische Finanzminister Kaoru Yosano.

3. In der Eurozone stieg die Stimmung der Wirtschaftsakteure im Juni auf 73,3 Punkte nach 70,2 im Mai.

4. Die britischen Immobilienpreise erhöhten sich im Juni um 0,9 Prozent nach plus 1,3 Prozent im Mai.

5. Der US-Index für bevorstehende Häuserverkäufe nahm im Mai um 0,1 Prozent zu und lag damit um 6,7 Prozent über dem Vorjahresniveau.

6. Die Bank of England sieht Anzeichen für sich verbessernde Kreditkonditionen in Großbritannien.

Nicht nur ein Stabilisierungsprozess, sondern stabil (3 auf der GSS-Skala)

1. Der dreimonatige Dollar-Libor erreichte am 29. Juni ein Rekordtief von 0,59688 Prozent.

2. Die Industrieproduktion in Japan kletterte im Mai im dritten Monat in Folge und erreichte eine Zunahme um 5,9 Prozent. 3. Die ISM-Umfrage im amerikanischen verarbeitenden Gewerbe ergab für Juni eine Erhöhung auf 44,8 nach 42,8 im Mai. Das war die beste Entwicklung seit der Zeit vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers.

Langsames Wachstum (4 auf der GSS-Skala)

1. Feindliche und unerwünschte Übernahmen erreichten das höchste Niveau seit drei Jahren, geht aus Daten von Thomson Reuters hervor.

2. China plant, Eisenbahnaktien über fünf Mrd. Dollar zu begeben.

3. Der britische Index der Einkaufsmanager betrug im Juni 51,6 nach 51,7 im Mai und bildete damit im zweiten Monat in Folge eine stärkere wirtschaftliche Aktivität ab.

4. Rio Tinto hat ihre Bezugsrechtsemission über 15,2 Mrd. Dollar erfolgreich über die Bühne gebracht, die Akkzeptanz lag bei 98 Prozent.

Schnelle Erholung (5 auf der GSS-Skala)

1. Goldman Sachs liegt Berichten zufolge im Plan, Gesamtvergütungen von 20 Mrd. Dollar zu erreichen.

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