Green Shoots Spotter
Finanzkrise: Ein schwaches Licht am Ende des Tunnels

In der vergangenen Woche standen die Märkte stärker denn je unter dem Eindruck, dass die schlimmsten Tage der Wirtschaftskrise vorbei sind. Insgesamt gab es tatsächlich etwas weniger schlechte Nachrichten – zumindest gemessen am Grüne-Triebe-Detektiv von breakingviews.com.
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In der vergangenen Woche verhielten sich die Aktien wie junge Lämmer, der US-Index S&P 500 legte in einer Woche um sechs Prozent zu und der Dow Jones EuroStoxx gewann 4,5 Prozent. Anleger sehen einen Silberstreif am Horizont. Sie interpretieren den Anstieg der US-amerikanischen Arbeitslosenquote um 0,4 Prozentpunkte auf nun 8,9 Prozent als eine Nachricht, die auch hätte schlimmer ausfallen können. Allerdings wäre sie auch tatsächlich schlimmer ausgefallen, wenn nicht die US-Behörden Personal einstellen würden.

Insgesamt gab es, gemessen am breakingviews.com Green Shoots Spotter (GSS, etwa: Grüne-Triebe-Detektiv), tatsächlich etwas weniger schlechte Nachrichten. Breakingviews beurteilt eine bestimmte Mischung aus Statistiken, Kommentaren und Nachrichten und vergibt dabei Noten von 1 "immer noch schwerwiegende Probleme" bis 5 "schnelle wirtschaftliche Erholung". Der GSS ist gerade einmal zwei Wochen alt, es ist also noch etwas zu früh, um aus seiner Entwicklung einen Trend ableiten zu wollen, aber immerhin zeigt sich der Indikator in seiner zweiten Woche weniger düster als in der ersten.

Die jungen Triebe zeigen sich an den Börsen noch immer deutlich häufiger als in der Gesamtwirtschaft, aber gemessen an der GSS-Skala bewegte sich die Wirtschaft von mageren 1,9 Zählern auf etwas weniger magere 2,1.

Wenn das Erholungstempo mit 0,2 Punkten pro Woche anhält, dann befinden wir uns im Herbst inmitten der nächsten Hochkonjunktur. Aber die Besserung könnte sich auch als rein statistischer Ausschlag, ohne tiefere Bedeutung erweisen.

Hier sind die Daten, die in den Breakingviews-Indikator einflossen:

Immer noch schwerwiegende Probleme (1 auf der GSS-Skala)

1. Das von der Fed unter Finanzierungsspezialisten erhobene Stimmungsbarometer ergab, dass 64 Prozent der Banken die Kreditvergabebedingungen für Hypotheken außerhalb der gängigen Standards verschärften, die Konditionen für gewerbliche Immobilienkredite schraubten sogar 66 Prozent nach oben (5. Mai).

2. Nach Angaben von Halifax fielen die Preise für britische Wohnimmobilien im April um 1,7 Prozent und damit stärker als erwartet (6. Mai).

3. Die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone fielen im März um 0,6 Prozent, also etwas schneller als im Durchschnitt (−0,4%) der vorangegangenen Monate seit Oktober (6. Mai).

4. Die spanische Industrieproduktion sank im März um 24,7 Prozent, nachdem der Rückgang schon im Februar 22,5 Prozent betragen hatte (6. Mai).

5. Die Verluste des führenden britischen Billigfliegers EasyJet haben sich in der ersten Hälfte seines Geschäftsjahres mehr als verdoppelt (6. Mai).

6. Die Zahl der Zwangsvollstreckungen unter US-amerikanischen Luxuswohnungen sprang in den ersten 10 Wochen des Jahres 2009 um 127 Prozent nach oben (6. Mai).

7. In Taiwan fielen die Exporte im April um 34,3 Prozent, fast genauso stark wie schon im März, als die Wirtschaft ein Minus von 35,7 Prozent zu verkraften hatte (7. Mai).

8. Die schwedische Industrieproduktion sank nach −2,2 Prozent im Februar im März erneut um 2,8 Prozent (7. Mai).

9. Die monatlichen M&A-Aktivitäten (Firmenzusammenschlüsse) schrumpften auf das geringste Niveau seit 2004 (7. Mai).

10. Die US-Hotelindustrie verzeichnete nach Angaben ihres Branchenverbands den stärksten Umsatzrückgang pro verfügbarem Zimmer seit Beginn der Aufzeichnungen (7. Mai).

11. Die Lagerbestände im US-Großhandel fielen im März um 1,6 Prozent, nachdem auch die revidierten Vormonatszahlen mit einem Rückgang von 1,7 Prozent in etwa die gleiche Größenordnung aufwiesen (8. Mai).

12. In der Schweiz kletterten die Arbeitslosenzahlen im April von 3,3 auf 3,4 Prozent, das höchste Niveau seit Juli 2006 (8. Mai).

13. Die Qualität der gewerblichen Immobilienkredite in den USA ist weiter rückläufig. 2,45 Prozent der Schuldner befinden sich seit mindestens 30 Tagen im Zahlungsverzug (8. Mai).

14. Stephen Hester von der Royal Bank of Scotland sieht in der Wirtschaft noch keine frischen Triebe (8. Mai).

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