Green Shoots Spotter-Index
Träumen im Schlamassel

Der freie Fall der Wirtschaft ist vorüber. Nun stellt sich die Frage, wann die Erholung beginnt. Schaut man sich die Aktienmärkte an, dann scheint sie bereits eingesetzt zu haben. Doch das allgemeine Wirtschaftsumfeld präsentiert sich immer noch ziemlich schwach.
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Der freie Fall der Wirtschaft im ersten Quartal hat sich abgeschwächt. Aber wann wird eine nachhaltige Erholung einsetzen? Die weltweiten Aktienmärkte haben sich die Antwort bereits selbst gegeben: Sofort. Eine weitere gute Woche an den Börsen hat den US-Markt auf sein bisheriges Jahreshoch gehievt. Die Anleger freuten sich über Unternehmensergebnisse, die weniger schlecht ausfielen als erwartet, und über revidierte Prognosen, die weniger miserabel waren als die zuvor getroffenen Ausblicke.

Doch trotz der Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten, präsentiert sich das allgemeine Wirtschaftsumfeld immer noch recht schwach. Die Liste der Probleme ist abschreckend: enorme Verluste bei Gewerbeimmobilien, eine schleppende Kreditvergabe durch die Banken, Schwierigkeiten in weiten Teilen Mitteleuropas und die zögerliche Haltung bei Verbrauchern und Unternehmen. Wichtige Industriezweige, darunter die Fluggesellschaften und die Autobauer, stecken immer noch in ernsten Schwierigkeiten.

Der von Breakingviews.com erstellte Green Shoots Spotter (GSS), der erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Verbesserung nachzeichnet, hängt unverrückbar in der Kategorie "Es wir weniger schlimm" fest. In der vergangenen Woche verbuchte der Index einen Stand von 2,0 auf einer Skala von 1 ("Immer noch in ernsten Schwierigkeiten") bis 5 ("Schnelle Erholung"). Die zukunftsorientierten Märkte sind sehr optimistisch, was eine Verbesserung der Lage angeht. Wenn sie richtig liegen, dann sollte dieser Indikator bald steigen. Bisher allerdings scheinen die Märkte nur für die Zukunft zu leben.

Immer noch in ernsten Schwierigkeiten (1 auf der GSS-Skala)

1. Die US-Gewerbeimmobilienpreise fielen im Mai um 7,6 Prozent.

2. Die schwedische Bank SEB schreibt drei Mrd. skr auf osteuropäische Vermögenswerte ab.

3. US-Banken könnten bis Ende 2010 Verluste und Abschreibungen über rund 470 Mrd. Dollar erleiden und damit unrentabel werden, schreibt Moody?s.

4. Das Verkehrsaufkommen auf den weltweit am meisten genutzten Containerschiffrouten ist im Mai um ein Fünftel zurückgegangen.

5. Fed - Chef Ben Bernanke warnte, dass eine mögliche Welle von Zahlungsausfällen im Bereich Gewerbeimmobilien die Wirtschaft vor eine "schwierige" Herausforderung stellen könnte.

6. Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe in Großbritannien sind im Juli auf das niedrigste Niveau seit mehr als 17 Jahren gesunken.

7. Die Einnahmen von Eurotunnel aus dem Pendelverkehr mit Autos und Lkw ist im ersten Halbjahr um 42 Prozent und die Zahl der beförderten Lkw um 53 Prozent gefallen.

8. Der Reuters/University of Michigan-Index für die Stimmung unter den US-Verbrauchern ist im Juli in der endgültigen Berechnung auf 66 nach 70,8 und damit zum ersten Mal seit fünf Monaten zurückgegangen.

9. Moody?s senkt das Rating von Collateralized Loan Obligations über 33 Mrd. Dollar.

Es wird weniger schlimm (2 auf der GSS-Skala)

1. Die zum Verkauf ausgeschriebenen US-Einfamilienhäuser und Wohnungen verringerten sich im Juni gegenüber Vormonat um 2,1 Prozent.

2. Die Vermögenswerte der Hedge Fonds-Branche stiegen im zweiten Quartal gegenüber Vorquartal um 7,5 Prozent auf 1,43 Bill. Dollar.

3. Der US-Baumaschinenhersteller Caterpillar und die britische Einzelhandelsgruppe Next erhöhten ihre Prognosen für den Rest des Geschäftsjahres.

4. Die VW-Bereiche Audi und Lamborghini erwarten für das kommende Jahr einen steigenden Absatz.

5. Ford verbuchte zum ersten Mal in diesem Jahr wieder einen Gewinn.

6. Die britischen Zeitungen "Daily Mail" und "Evening Standard" berichten im zweiten Quartal über eine Verlangsamung beim Rückgang der Anzeigeneinnahmen.

7. In Großbritannien erhöhte sich die Vergabe von Hypothekendarlehen auf den höchsten Stand seit 15 Monaten, teilte der britische Bankenverband mit.

8. Die Zahl von in Großbritannien produzierten Neuwagen fiel im Juni um 30,2 Prozent - der bisher geringste Rückgang in diesem Jahr.

Nicht nur stabilisierend, sondern stabil (3 auf der GSS-Skala)

1. Dennis Lockhart von der Atlanta Federal Reserve erwartet, dass "in der zweiten Jahreshälfte ein reales Wachstum einsetzt und sich moderat weiterentwickelt. Mittelfristig gehe ich nicht von einer starken Erholung aus."

2. Der US-Pharmakonzern Bristol-Myers bietet 2,4 Mrd. Dollar für Medarex.

3. Der Verkauf bestehender Häuser in den USA verbuchte im Juni im dritten Monat in Folge eine Aufwärtsbewegung, die Preise stiegen auf das höchste Niveau seit Oktober.

4. Der Dow Jones-Index übertraf zum ersten Mal seit Januar die Marke von 9 000 Punkten.

5. Der Geschäftsklima-Index des Ifo-Instituts erhöhte sich im Juli auf 87,3 nach 85,9 im Juni und erreichte damit den höchsten Stand seit vergangenem Oktober.

Langsames Wachstum (4 auf der GSS-Skala)

1. Investoren aus dem Privatkundenbereich bewarben sich für das 775fache der Aktien, die bei der Erstemission über 460 Mrd. HK-Dollar des chinesischen Zementherstellers BBMG verfügbar waren.

2. Die China State Construction plant einen sieben Mrd. Dollar schweren Börsengang.

Schnelle Erholung (5 auf der GSS-Skala)

1. Der FTSE 100-Index kletterte an zehn Tagen in Folge.

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