Großbritanien
Loyalitätsbonus für langjährige Aktionäre

Oft wird der mangelnde Kontakt zwischen den Aktionären öffentlicher Unternehmen und deren Management bemängelt. Sind sie mit der Unternehmensführung unzufrieden, neigen sie dazu, ihre Anteile zu verkaufen und die Sache zu vergessen. Ein britischer Vorschlag sieht nun ein Belohnungsschema für treue Aktionäre vor.

Oft wird der mangelnde Kontakt zwischen den Aktionären öffentlicher Unternehmen und deren Management bemängelt. Sind sie mit der Unternehmensführung unzufrieden, neigen sie dazu, ihre Anteile zu verkaufen und die Sache zu vergessen. Der britische Staatssekretär (City Minister) Paul Myners schlägt eine ungewöhnliche Lösung für diese "Führungsschwäche" vor: ein Belohnungsschema für treue Aktionäre.

Sein Vorschlag sieht mehr Stimmrechte für alteigesessene Anteilsinhaber als für Kurzzeit-Investoren vor. In der Theorie könnte das zu einem größeren Engagement der Aktionäre führen. Die mangelnde Einflussnahme der Anteilseigner war besonders zu Zeiten selbstherrlicher Banken-Strategien ungeheuerlich. So votierten die RBS-Shareholder wie die Lemminge für die fatale ABN Amro Übernahme.

Myners wünscht sich von Sir David Walker, der die Regierung in Sachen Banken-Kontrolle berät, ein "Votes-for-Loyalty"-Programm. So will er für Aktionäre, die ihre Papiere mehr als ein Jahr lang halten, 50 Prozent mehr Stimmrecht. Das soll die Investoren dazu bringen, bei der Stange zu bleiben, anstatt beim ersten Anzeichen von Problemen die Beine in die Hand zu nehmen. Zudem erhielten Investoren, die eine langfristige Strategie verfolgen, größeren Einfluss. Aktionäre im Besitz eines vierprozentigen Unternehmensanteils, die aber fünf Prozent der Stimmrechte halten, würden im Krisenfall automatisch vom Vorstand ernster genommen.

Soweit die Vorteile der Idee. Diese Initiative könnte aber nach hinten losgehen. So wären etwa auf Kurzzeit-Geschäfte ausgelegte Hedge Fonds betroffen. Sie könnten vom Einstieg und der Aktivität in geruhsamen Unternehmen abgehalten werden, bekämen sie erst nach einem Jahr das volle Stimmrecht.

Auch Übernahmeschlachten würden erschwert. Zum Einen könnte das Programm wegen der geringeren Stimmkraft der neuerworbenen Papiere potentielle Verfolger von einem Angriff abhalten. Zudem bekämen sie weniger Unterstützung von kurzfristig einspringenden Arbitrageuren. Auf der anderen Seite wären geduldige Verfolger in der Lage, durch den Kauf eines 25-prozentigen Anteils ohne ein darauf folgendes konkretes Angebot "Kontrolle durch Aussitzen" zu erlangen. Nach einem Jahr stiege die Stimmkraft des Interessenten und ermöglichte es, das Unternehmen herumzukommandieren, ohne die anderen Aktionäre mit einzubeziehen.

Solche Komplikationen lassen die Einführung eines solchen Plans wenig durchführbar erscheinen. Doch die Führungsproblematik der öffentlichen Unternehmen ist derart gewaltig, dass selbst radikale Ideen geprüft werden sollten. Und wer weiß, vielleicht taucht ja dank Walkers Überprüfung eine machbare Lösung auf?

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