Großbritannien
Bankenpläne der Tories verdienen doppelten Beifall

Die britische Opposition – die wahrscheinlich in einem Jahr das Ruder übernehmen wird – hat viele gute Ideen, wie sich Krisen in Zukunft vermeiden lassen. Aber die Tories sind zu sehr darauf fixiert, die FSA abzuschaffen. Das aber dürfte nur dazu führen, die Zuständigkeiten neu zu mischen.
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Die Bankenpläne der Tories verdienen doppelten Beifall. Die britische Opposition - die wahrscheinlich in einem Jahr das Ruder übernehmen wird - hat viele gute Ideen, wie sich Krisen in Zukunft vermeiden lassen. Aber die Tories sind zu sehr darauf fixiert, die Finanzdienstleistungsaufsicht (Financial Services Authority) abzuschaffen. Das aber dürfte bestenfalls dazu führen, die Zuständigkeiten neu zu mischen.

Werfen wir zuerst einen Blick auf die guten Vorschläge der Opposition. Ganz oben auf der Liste steht die Idee, ein neues finanzpolitisches Gremium ins Leben zu rufen, das innerhalb der Bank of England angesiedelt werden soll und die Aufgabe haben wird, spekulative Blasen in Zukunft schon im Keim zu ersticken. Das Gremium soll sich um den bereits existierenden und für die Zinspolitik zuständigen geldpolitischen Ausschuss bilden. Das Entscheidende dabei, es wird auch externe Mitglieder umfassen - Außenseiter werden also künftig die Chance haben, allgemein akzeptierte Weisheiten infrage zu stellen. Das ist deswegen so wichtig, weil es weder die BoE, noch die FSA, noch das Finanzministerium zu Beginn der Finanzkrise geschafft haben, rechtzeitig die Warnglocken zu läuten.

Dieses neue BoE-Komitee wäre auch besser für seine Aufgabe gerüstet als der von der jetzigen Regierung geplante Rat für Finanzstabilität mit seinen schlecht durchdachten Befugnissen - der sich aus der BoE, der FSA und dem Schatzamt zusammensetzen und Externe ausschließen soll.

Eine weitere gute Idee der Tories besteht darin, die Wohnkosten wieder in die Berechnung des Inflationsziels aufzunehmen, dem die BoE verpflichtet ist. Hätten die Behörden schon vor einigen Jahren auf dem Wohnungsmarkt genauso auf die Preisentwicklung geachtet wie auf dem Konsumgütermarkt, hätten sie schon sehr viel früher gegensteuern können.

Die Tories liebäugeln auch nicht länger mit dem Glass-Steagall Act - der erzwungenen Trennung des Kredit-und Einlagengeschäfts vom Investmentbanking nach US-amerikanischem Vorbild, das noch aus der Großen Depression herrührt. Die heutige Krise hat nichts damit zu tun, dass Kreditbanken ins Investmentgeschäft hineinpfuschten. Die Banken spielten quer durch das ganze Spektrum verrückt. Anstatt also auf einen neuen Glas-Steagall zu setzen, beschäftigen sich die Tories feinfühlig mit der globalen Frage, wie die Welt in Zukunft dem "Too-Big-to-Fail"-Problem begegnen kann. Große Banken sollen zu höheren Kapitalreserven verpflichtet werden als kleinere, um einen Anreiz zu schaffen, dass Institute wieder kleiner werden. Und alle Banken sollen eine Art "Testament" hinterlegen, sodass sie leichter und ohne Verwüstungen zu hinterlassen zur Schlachtbank geführt werden können, wenn sie in Schieflage geraten.

Nimmt man all diese guten Ideen, dann ist es schon erstaunlich, dass die Tories so viel Aufhebens um ihren schwächsten Ansatz machen - den Plan, die FSA abzuschaffen und die Verantwortung für die Bankenaufsicht stattdessen an die BoE zu delegieren. Funktionieren könnte das schon. Aber dem Land ist nicht damit gedient, wenn sich die neue, erweiterte BoE zu einem Bürokratiemoloch entwickelt.

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