Großbritannien
Keynes zum gefälligen Gebrauch

Alistair Darling, der britische Finanzminister, entpuppt sich als Anhänger des Ökonomen John Maymard Keynes, während er einem ohnehin bereits aus allen Nähten platzenden Budget zusätzliche Ausgaben aufbürden will. Aber es ist einfacher, die Zinsen zu ändern als öffentliche Ausgabenpläne – und Zinssenkungen sind ein Weg, die Rezession abzumildern.

Die britische Wirtschaft steckt in der Klemme, und die Regierung sucht nach Wegen, ihr Luft zu verschaffen. Da kommt der überragende Volkswirt John Maynard Keynes plötzlich sehr gelegen. "Vieles, was Keynes geschrieben hat, ergibt immer noch Sinn", sagte am Wochenende der britische Finanzminister Alistair Darling zu Recht. Auf Darlings Auslassungen zur Politik von Keynes allerdings trifft dies nicht zu.

Darling hofft, das britische Budgetdefizit in Rekordhöhe - es dürfte in diesem Jahr bei über vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen und im kommenden Jahr noch schlechter ausfallen - hinter dem Tarnmäntelchen der "Keynesschen Politik" verstecken zu können. Aber wer bereits auf einem pro-zyklischen Verschwendungskurs war, kann jetzt nicht auch noch anti-zyklisch über seine Verhältnisse leben.

Zum Beweis kann die Handelsbilanzlücke dienen - im Juli war das britische Defizit mit 8,2 Mrd. Pfund Sterling auf nie zuvor gesehene Höhen geklettert. Die Korrektur der überzogenen Mittelaufnahme und Ausgaben im privaten und öffentlichen Bereich ist von grundlegender Bedeutung, und eine Rezession ist unvermeidbar.

Jetzt umfassende Ausgabenpläne der öffentlichen Hand - für Krankenhäuser oder Schulen zum Beispiel - auf den Tisch zu legen, sieht unklug aus. Die Notwendigkeit, dann später die Ausgaben kappen und die Steuern erhöhen zu müssen, würde die Wirtschaft auf Jahre hinaus belasten.

Der richtige Weg, die Rezession abzumildern, ist eine Zinssenkung - für die durchaus Freiräume bestehen. Die Rohstoffpreise sinken. Die Rezession wird dazu beitragen, die Löhne und Preise einzudämmen. Und die Geldpolitik ist weit von dem Punkt entfernt, an dem sie so nutzlos sein könnte, wie der Versuch, "an einer Schnur zu schieben", was, wie Keynes gewarnt hatte, in einer Depression vorkommen könnte.

Wenn die Bank of England die Zinsen mutig zurücknimmt - und sie sollte dies bei dem Treffen des geldpolitischen Ausschusses im nächsten Monat tun - wären Millionen britischer Haushalte dankbar. Die Immobilienpreise können sich im kommenden Jahr stabilisieren und die Aussichten langsam wieder besser werden. Selbst Darlings aufgeblähte Budget-Zahlen sähen ein bisschen positiver aus und niedrigere Zinsen würden auch seine Zinszahlungen ein bisschen drücken.

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