Großbritannien
Rein staatliches Interesse an der RBS?

Nachdem Anleger die Kapitalerhöhung angesichts des teuren Preises dankend ablehnten, wird nun die Regierung einen Anteil von 58 Prozent an der Royal Bank Of Scotland (RBS) übernehmen. Der neue Mehrheitsaktionär betont, dass er sich wie ein ganz normaler Investor verhalten wird. Das klingt nicht sehr glaubwürdig.

Im Oktober machte die Regierung klar, dass sie genauso erbarmungslos wie Henry Kravis darauf dringen werde, eine angemessene Rendite auf ihr 37-Milliarden-Pfund-Investment in britische Banken zu erhalten. Aber eine Regierung ist kein aktiver Geschäftspartner in einem Beteiligungsfonds. Sie repräsentiert den Steuerzahler, dessen wirtschaftliches Interesse über Aktienkurse und Renditen hinausgeht.

Die Regierung sollte sich natürlich schon darum bemühen, einen Wert für ihr Geld zu erhalten, aber ihr eigentliches Portfolio ist die 1,4 Milliarden Pfund schwere britische Wirtschaft. Und die ist in schlechter Verfassung und könnte noch kränker werden, wenn die Banken sich bei ihren Kreditvergaben zu stark zurückhalten. Ihre Genesung hängt davon ab, wieder angemessenen Zugang zu Krediten zu erhalten. Das könnte bedeuten, dass eine höhere Risikobereitschaft und Nachsicht mit ums wirtschaftliche Überleben kämpfenden Kreditnehmern erforderlich ist.

Die Aufgabe, die Wirtschaft zu stabilisieren, steht also im Konflikt zum "rein wirtschaftlichen" Interesse, das die Regierung im Oktober versprochen hat. Aus der Sicht des Staates ist klar, welcher Ansatz die Oberhand behalten sollte. Nur sehr Wenige dürften applaudieren, wenn die Regierung in zwei Jahren stolz verkündet, mit dem Verkauf der gesund geschrumpften, umstrukturierten und wieder finanzstarken RBS 5 Milliarden Pfund Gewinn gemacht zu haben - wenn der Erfolg auf Kosten einer geschwächten, finanziell bankrotten britischen Wirtschaft geht.

Unmöglich ist es allerdings nicht, den Zielkonflikt zu lösen. Genauso wie die Wirtschaft auf kurze Sicht von den Banken abhängt, genauso hängt das Schicksal der Banken mittel- bis langfristig von der Wirtschaft ab. Unter langfristigen Aspekten ist es also möglich, das betriebswirtschaftliche Management von RBS und anderen Kreditinstituten mit den kurzfristigen Strategien in Einklang zu bringen, die die britische Wirtschaft ankurbeln sollen.

Der RBS-Kurs spricht eine deutliche Sprache. An der Börse lag er am Freitag bei 54 Pence, die Regierung beteiligt sich mit 65,5 Pence pro Aktie. Für die nächste Zeit ist RBS also eine Institution, die dem britischen Steuerzahler mehr wert ist als ihren anderen Aktionären.

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