Günstige Finanzwerte
Banken-Schnäppchen

Sollte man jetzt Bankaktien kaufen? Nur wenn sich der Kreditengpass als nicht noch lähmender herausstellt als die Turbulenzen 1998 oder 2002. Aber die heutige Finanzkrise erinnert mehr und mehr an die missliche Lage Anfang der neunziger Jahre. Wenn sich dies bewahrheitet, dann könnten die Bankaktien auf beiden Seiten des Atlantiks noch weiter fallen.

Die Aktien von Kreditinstituten sind in diesem Jahr nach unten gerauscht. Der KBW-Index amerikanischer Banken ist gegenüber seinem Spitzenstand im Februar um mehr als 20 Prozent gefallen. Mehrere Banken, darunter JPMorgan und Wachovia, werden nur knapp über ihrem Buchwert, also den Vermögenswerten abzüglich der Verbindlichkeiten, gehandelt. Zwei Banken – National City Corp und Regions Financial - liegen sogar knapp darunter. Aber trotz der Aufwärtsbewegung der vergangenen Tage könnte es für die Investoren immer noch zu früh sein, sich in den Sektor hineinzustürzen.

Keiner will den richtigen Zeitpunkt für eine Marktwende verpassen. Wenn es bereits belastbare Beweise für eine Erholung gibt, dann ist ein Teil der Aufwärtsbewegung ja schon wieder vorbei. Und der Buchwert einer Finanzgesellschaft sollte normalerweise eine Untergrenze für ihren Marktwert bilden. Bei der letzten Krise 2002 war das im Allgemeinen der Fall. Damals war der Aktienkurs von JPMorgan kurzzeitig unter den Buchwert gesunken, bevor er sich wieder erholte.

Aber die Abschreibungen über mehrere Milliarden Dollar auf US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität und auf CDOs, also auf Wertpapiere, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, haben den Buchwert der Banken ausgehöhlt. Und sie sehen immer noch anfällig aus, was teilweise auf anhaltende Herabstufungen ihrer Kreditwürdigkeit zurückzuführen ist. Einige Finanzgruppen, darunter Citigroup und Freddie Mac, waren gezwungen, ihr Eigenkapital zu erhöhen.

Das klingt sehr nach den gravierenden Schwierigkeiten Anfang der neunziger Jahre, als ein Abschwung bei Gewerbeimmobilien dazu beigetragen hatte, die Aktien amerikanischer Banken für mehrere Monate unter den Buchwert zu drücken. Citigroup, die damals noch Citicorp hieß, hatte Kapital bei dem saudi-arabischen Investor Prinz Alwaleed gesammelt, als ihre Aktie nur noch zum etwa halben Buchwert gehandelt wurde. Im Gegensatz dazu lag die Kapitalspritze, die Citigroup in der vergangenen Woche von der Abu Dhabi Investment Authority erhalten hat, weit über Buchwert. In Europa steckten die Aktien des Bankensektors 1992 bei Bewertungen von etwa drei Vierteln des Buchwerts fest.

Dieses Mal scheinen nur Unternehmen im Zentrum des Subprime-Sturms, wie etwa Countrywide Financial, große Abschläge gegenüber ihrem Buchwert hinnehmen zu müssen. Aber frühe Symptome der Kreditkrise brechen nun auch anderswo auf, zum Beispiel bei Autofinanzierungen und Kreditkartenforderungen. Während die europäische Wirtschaft immer noch relativ robust aussieht, fachen solche Signale die Angst vor einer Rezession in den USA an. Die Wahrscheinlichkeit, dass in Amerika ein massiver Abschwung eintritt, gibt Credit Suisse mittlerweile mit 44 Prozent an.

Wenn die Wirtschaft weiter nachgibt, könnten die Bankaktien noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Einige Spieler sind in einer besseren Position als andere. Bank of America, US Bancorp und Wells Fargo können widerstandsfähige Kapitalpolster vorweisen – genau so wie JPMorgan, trotz ihres eher niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnisses. Aber selbst diese Bastionen werden in einem Umfeld für das Bankengeschäft, das sich eher noch einmal verschlechtern könnte, bevor es wieder aufwärts geht, nicht unangreifbar sein.

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