Handel
Barnes & Noble weicht Interessenkonflikt aus

Die Übernahme der Buchkette College durch Barnes & Noble bot größeres Missbrauchspotenzial als andere Transaktionen. Schließlich gehörte sie dem Barnes-&-Noble-Chef. Aber in diesem Fall haben die Aktionäre mehr als einen fairen Abschluss erhalten.
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Aktionäre sind oft die Leidtragenden, wenn ein Unternehmen Nebengeschäfte mit dem eigenen Management macht. Barnes & Nobles Übernahme der College-Buchkette vom eigenen Chef Leonard Riggio bot sogar noch größeres Missbrauchspotenzial als typische Transaktionen zwischen verbundenen Parteien. Aber in diesem Fall haben die Aktionäre des US-Buchhändlers mehr als einen fairen Anteil erhalten.

Die Buchhandelskette war ursprünglich ein Teil von Barnes & Noble, dessen Gründer und Inhaber Riggio war. Als er 1984 ein Konkurrenzunternehmen übernahm, finanzierte er den Kauf durch die Abgabe von Unternehmensanteilen an eine Gruppe von Minderheitsaktionären. Ausgeschlossen von einer Beteiligung blieben damals nur die College-Buchläden. In der Folge ging Barnes & Noble - aber nicht Barnes & Noble College Booksellers - an die Börse. Heute gehören Riggio 29 Prozent des börsennotierten Buchhändlers.

Das Verhältnis zwischen den Buchhandelsketten kam Riggio zugute. College besaß die Rechte am Namen Barnes & Noble und lizensierte den Gebrauch der Marke dauerhaft an das andere Unternehmen. Weil beide Ketten den gleichen Namen nutzten, profitierte College von Investitionen des börsengehandelten Zweigs, wie zum Beispiel Werbemaßnahmen, ohne dafür zahlen zu müssen.

Eine solche Beziehung birgt viel Konfliktstoff. Aber der Preis, den Barnes & Noble jetzt zahlt, um die heikle Verbindung zu bereinigen, scheint mehr als fair. Im Vertrag werden beide Unternehmen mit dem Vierfachen ihres historischen Gewinns (EBITDA) bewertet. Das ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass College schneller gewachsen ist und auch die besseren Wachstumsaussichten hat - während Erwachsene weniger lesen, müssen College-Schüler weiter Lehrbücher kaufen.

Der faire Deal könnte einfach den Umständen geschuldet sein. Die Verhandlungsposition der unabhängigen Verwaltungsratsmitglieder des Unternehmens wurde sicherlich dadurch gestärkt, dass Riggio mit dem Wunsch an sie herantrat, College zu verkaufen. Aber viele unabhängige Direktoren haben auch Hemmungen, sich mit dem Unternehmenschef anzulegen - vor allem wenn er im Besitz eines hohen Unternehmensanteils ist. Aber wie dem auch sei, der Verwaltungsrat von Barnes & Noble hat im Interesse seiner Aktionäre gehandelt und ihnen mit dem Vertrag einen Gefallen getan und nicht etwa einen Gefälligkeitsvertrag abgeschlossen.

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