Handel
Ein Empire namens Tesco

Die Anstrengungen des britischen Einzelhandelskonzerns Tesco für eine Internationalisierung tragen erste Früchte. Nicht dass Tesco auf seinem Heimatmarkt in Schwierigkeiten steckt - aber Großbritannien verliert immer mehr an Bedeutung in Tescos langfristiger Strategie.

Die Anstrengungen des britischen Einzelhandelskonzerns Tesco tragen erste Früchte. In den letzten Jahren hat die Supermarktkette, die in Großbritannien bereits Marktführer ist, rund 9,5 Mrd. Pfund in die Ausweitung seines Filialnetzes in neue Märkte von Thailand bis in die Türkei investiert. Die internationalen Verkäufe bestreiten nun ein Viertel des gesamten Umsatzes der Gruppe.

Das starke Wachstum in der Region - bis zu 22 Prozent im letzten Halbjahr - lässt kurzfristige Rückschläge auf dem Heimatmarkt verschwindend klein erscheinen. Die Aktie des Einzelhändlers zog nach der Verkündung der Halbjahreszahlen um fast vier Prozent an, obwohl Tesco die schlechtesten flächenbereinigten Umsatzzahlen in Großbritannien seit sieben Jahren gemeldet hat.

Nicht dass Tesco auf seinem Heimatmarkt in Schwierigkeiten steckt. Seine Position in Großbritannien ist solide, die jüngsten Untersuchungen deuten sogar auf steigende Marktanteile hin. Das magere flächenbereinigte Wachstum von 2,7 Prozent im ersten Halbjahr ist daher wohl eher auf das schlechte Wetter als auf einen ernstzunehmenden Geschäftseinbruch zurückzuführen. Doch der Markt in Großbritannien, der nur noch einen Anteil von drei Viertel des Umsatzes stellt - verglichen mit 80 Prozent vor fünf Jahren - verliert immer mehr an Bedeutung in Tescos langfristiger Strategie.

Das ist entscheidend, verändert sich der britische Markt doch merklich. Rivalen wie Sainsbury?s und Morrisons erholen sich langsam von ihren schweren Rückschlägen in der Vergangenheit. Das Eingreifen der Wettbewerbsbehörden ist weiterhin eine ständige Bedrohung. Seit Großbritannien hier umsichtiger wird, hängt Tescos Umsatzwachstum immer mehr davon ab, dass das Unternehmen andere, rentablere Geschäfte vorantreibt. So betragen die Umsätze aus dem Nicht-Lebensmittelgeschäft etwa ein Drittel der erreichten Umsatzsteigerung von Tesco in Großbritannien.

Märkte wie China oder Thailand stecken verglichen mit dem Heimatmarkt Großbritannien noch in den Kinderschuhen. Das bedeutet, dass dort schnelles und nachhaltiges Wachstum für die Supermarktkette zu erwarten ist. Die Konsumenten in den aufstrebenden Märkten geben zudem einen höheren Anteil ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus, während in Großbritannien das Gegenteil der Fall ist. Und noch etwas kommt dazu: Die Konsumenten in China oder Thailand haben den Geschmack an westlichen Produkten gerade erst entdeckt.

Bisher scheinen die Märkte die Expansionsstrategie des Einzelhändlers noch nicht so recht zu honorieren. Die 9,5 Mrd. Pfund, die Tesco nach Einschätzung der Analysten von Lehmann Brothers bis Februar 2008 für die Eroberung neuer Märkte ausgegeben haben wird, lassen für das Geschäft in Großbritannien ein Wert von 30 Mrd. Pfund übrig, oder ungefähr 13,5 Prozent des diesjährigen Gewerbeertrags. Damit liegt der Konzern auf gleicher Linie mit dem europäischen Lebensmittelmarkt, trotz seiner Größe, des geringen Verschuldungsgrads und den hohen Erlösen. Offenbar zollt der Markt Tesco noch nicht genug Anerkennung.

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