Handelsblatt-Tagung
Spiel’s nochmal, Lloyd

Lloyd Blankfein wiederholt sich – aber zur rechten Zeit. Die Kommentare des Goldman-Chefs zur Bankenreform und zur Vergütung sind nicht weltbewegend. Doch seine an schießwütige Gesetzgeber gerichteten Ermahnungen, die Übernahme von Risiken nicht vollständig abzuwürgen und für eine angemessene Ausstattung der Aufsichtsbehörden zu sorgen, sind sinnvoll, wenn auch zum Teil eigennützig.
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Blankfein: Jeder der erwartete, Lloyd Blankfein werde ein Nostra Culpa für alle Finanzkrisen der jüngeren Wirtschaftsgeschichte anbieten, wird enttäuscht gewesen sein. Auf der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch" wiederholte der Chef von Goldman Sachs am Mittwoch in Frankfurt größtenteils eine Reihe von Grundlektionen aus dem jüngsten Zusammenbruch. Trotzdem sollte man seine Rede nicht ignorieren, besonders da sie dem G20-Gipfel vom vergangenen Wochenende auf dem Fuß folgte.

Seine Bemerkung, dass die Finanzinstrumente zu schnell zu komplex wurden, birgt keine neuen Erkenntnisse. Angesichts der zentralen Rolle, die relativ neue Produkte bei der Kernschmelze des Finanzsystems gespielt haben, stellte Blankfein damit tatsächlich nur fest, was ohnehin offensichtlich ist. Und natürlich kann er sich mit Leichtigkeit dafür einsetzen, dass standardisierte Derivate über zentrale Clearing-Häuser abgewickelt werden und an Börsen gehandelt werden sollen, wenn diese Entwicklung bereits auf gutem Wege ist.

Auch seine Überlegungen zur Vergütung mögen kernig klingen - den Mitarbeitern soll ein größerer Gehaltsanteil in Form von Aktien ausbezahlt werden, die Bezahlung soll zum Teil erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, Rückforderungsklauseln sollen eingeführt werden, Teamarbeit soll einen höheren Stellenwert als individuelle Erfolge erhalten und über mehrere Jahre hinweg garantierte Boni sollen abgeschafft werden. Doch wie Blankfein betonte, hat Goldman zu diesem Thema bereits vor fast sechs Monaten klar Stellung bezogen.

Doch Wiederholungen können zweckdienlich sein. Das scheint besonders auf einige andere Kommentare Blankfeins zuzutreffen. Zum einen bemerkte er, dass eine saubere tägliche Neubewertung der Vermögenswerte das Risikomanagement tatsächlich unterstützt - ein starkes Argument seitens einer Firma, die zu den wenigen gehört, die die schlimmsten Auswirkungen der Krise abwehren konnte. Und eine Abfuhr an die Adresse derer, die die Mark-to-Market-Regeln aufweichen wollen.

Er warnte zudem, dass es nicht reichen wird, die Aufsichtsbehörden nur mit neuen Befugnissen auszustatten. Sie bedürften darüber hinaus auch der richtigen Ressourcen, sowohl was die Mitarbeiter als auch was die Informationen angeht, um die richtigen Fragen stellen und auf die Antworten reagieren zu können. Und während seiner ganzen Rede erinnerte Blankfein seine Zuhörer direkt oder indirekt auch daran, dass das Eingehen von Risiken den Mittelpunkt nicht nur des Investment Banking, sondern des Kapitalismus bildet.

Sicher war seine Rede nicht frei von eigennützigen Elementen - wie das gewöhnlich so ist, wenn ein Spitzenmanager der Wall Street sich öffentlich äußert. Zu einer Kürzung der Gehälter der Banker zum Beispiel hat sich Blankfein nicht ausgelassen. Aber seine Ermahnungen an schießwütige Gesetzgeber, die Märkte nicht vollständig abzuwürgen und neue aufsichtsrechtliche Bestimmungen nicht nur flächendeckend, sondern auch wirkungsvoll zu gestalten, gehen als sinnvolle Parole durch.

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