HBOS-Übernahme
Lloyds TSB: Wie ein Dieb in der Nacht

Für Lloyds ist die Übernahme des führenden britischen Baufinanzierers HBOS ein Geschenk. Allein die erwarteten Synergien von einer Mrd. Pfund Sterling pro Jahr reichen, um den Kaufpreis von zwölf Mrd. Pfund abzudecken. Die Aufsichtsbehörden sind bereits umgestimmt, die Bank darf den Markt beherrschen. HBOS und der Staat hatten nicht viel zu melden.

Angesichts des Lloyds-Kurses in der Nacht von Mittwoch geht der Aktientausch bei 232 p je Aktie über die Bühne. Das wird für viele HBOS-Aktionäre sicher eine bittere Pille sein, entspricht dies doch einem Abschlag um 18 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Freitag. Es ist zudem weniger als die 275 p je Aktie, die die Aktionäre erst vor wenigen Monaten bei einer Notfallemission von Bezugsrechten durch HBOS hingelegt hatten, um Aktien zu kaufen. Und es ist beträchtlich weniger als der Preis von 300 p, von dem am Mittwoch anfangs die Rede gewesen war.

Aber die Wahrheit ist, dass HBOS gar nicht recht in der Lage war zu verhandeln, da der Baufinanzierer auf massive Gelder angewiesen ist, um sein Geschäft zu finanzieren. Seit Freitag haben wir dabei zugesehen, wie Lehman Brothers Pleite gegangen ist und AIG gerettet werden musste. Auch im Verlauf des gestrigen Tages hat sich die Einstellung der Anleger gegenüber Finanzwerten auf beiden Seiten des Atlantik weiter drastisch verschlechtert. HBOS waren während der Mittwoch-Sitzung einmal bis auf 88 p gesunken.

Da auch keine anderen weißen Ritter am Horizont auftauchten, wäre die beste Option für HBOS gewesen, sein Australien-Geschäft in einem Notverkauf zu verscherbeln und sich darauf zu verlassen, Bares aus der jüngst erweiterten Liquiditätsfazilität der Bank of England zu erhalten. Die Titel des Baufinanzierers wären erneut in den Sinkflug gegangen.

Auch die Regierung hatte keinen Trumpf parat, den sie hätte ausspielen können. Sicher kann sie nicht gewünscht haben, dass ein einziger Spieler den Hypothekenmarkt in der Hand hat. Aber noch viel weniger hat sie gewollt, dass HBOS in den Strudel hineingezogen wird. Nachdem die Regierung es schon im vergangenen Jahr nicht geschafft hatte, das Interesse von Lloyds an Northern Rock ernst genug zu nehmen, hätte es besonders inkompetent ausgesehen, wenn sie die Bank ein zweites Mal in die Wüste geschickt hätte.

Dennoch hatten die Minister tatsächlich noch Alternativen. Warum haben sie denn keine härtere Haltung in der Kartellsache eingenommen und dafür Lloyds dazu ermutigt, einen noch niedrigeren Preis für HBOS zu zahlen? Das ist die Frage, die die Abgeordneten, die dazu gewählt werden, das öffentliche Interesse zu schützen, stellen sollten.

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