Hedge-Fonds-Ausflug
Carlyle: Versuch und Irrtum

Der Ausflug von Carlyle in die Jagdgründe der Hedge Fonds hat sich nicht ausgezahlt. Zwar könnte der Ruf der Firma Schaden nehmen, aber zumindest hatte sie nicht allzu viele Investoren in ihre Experimente mit hineingezogen. Cerberus dagegen, die sich einst auf Not leidende Kredite spezialisiert hatte, ist tief ins Beteiligungsgeschäft eingetaucht. Sie könnte einen hohen Preis dafür zahlen.

Die Investoren nutzen gute Zeiten oft dazu, außerhalb ihres Fachbereichs herumzuexperimentieren. Mehrere Beteiligungsgesellschaften und Hedge Fonds, zum Beispiel, haben den Schuldenboom dazu genutzt, sich auf dem Gebiet des jeweils anderen breit zu machen. Für einige könnte sich dies auszahlen. Aber diese Abenteuerfahrten könnten einige große Namen auch in Bedrängnis bringen.

Für Carlyle etwa ist es nicht sonderlich gut gelaufen, dass die Firma amateurhaft in einigen Hedge Fonds-Revieren gewildert hat. Die Firma wickelt jetzt ihr Multi-Strategie-Geschäft in diesem Bereich ab, weil sich nach ihren eigenen Angaben nicht genug Investoren finden ließen, um es rentabel zu gestalten. Davon unabhängig, war ihr notierter Kreditfonds Carlyle Capital vor einigen Monaten zusammengebrochen. Er war zum Opfer des übertriebenen Einsatzes von Fremdkapital geworden.

Die Investoren dürften es sich jetzt zweimal überlegen, bevor sie sich für künftige Experimente von Carlyle erwärmen. Allerdings dürften die Probleme das Kerngeschäft des Unternehmens, das für kreditfinanzierte Übernahmen bekannt ist, kaum beeinträchtigen. Der Ausflug der Firma in das Reich der Hedge Fonds war nicht sehr ausgedehnt und hatte nicht allzu viel Geld der Investoren gebunden. Allerdings sieht es so aus, als ob Cerberus schwerer vom Plündern in fremden Revieren in Mitleidenschaft gezogen worden wäre. Die Firma, die sich einst auf Not leidende Kredite spezialisiert hatte, hat sich weit auf das Territorium der Beteiligungsgesellschaften vorgewagt, darunter mit Investitionen über sieben Mrd. Dollar jeweils in Chrysler und GMAC. Cerberus meinte es ernst mit ihrer Strategie und heuerte große Namen an, wie etwa den früheren Chef von Home Depot, Bob Nardelli.

Geplant war, die Expertise der Firma beim Sanieren von Unternehmen auf Kapitalbeteiligungen an in Schwierigkeiten geratenen Firmen anzuwenden. Wie Cerberus allerdings gerade herausfinden könnte, sind diese Fähigkeiten nicht immer übertragbar. Eigenkapital ist zum Beispiel anfälliger für Investitionen zum falschen Zeitpunkt als Fremdkapital. Und ein gut gehendes Unternehmen zu leiten, ist nicht ganz das Gleiche wie die Abwicklung eines Not leidenden Kreditengagements einzufädeln.

Natürlich steckt das ganze noch in einer frühen Phase. Aber wenn die große strategische Verlagerung von Cerberus nicht funktioniert, könnte sich die Firma einigen Ärger mit ihren Investoren einhandeln. Die Firma hat zwar eigene Mittel eingesetzt, aber sie hat für die größten Deals zudem Dutzende von Investoren um mehr Bares gebeten. Sich die Finger zu verbrennen, wenn man die Wassertemperatur prüft, ist eine Sache. Gefährlicher ist es allerdings, hineinzuspringen, ohne das Wasser vorher überhaupt getestet zu haben.

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