Hedge-Fonds
Galleon-Skandal: Das Aus für Raj?

Galleon könnte unterhalb der Wasserlinie leckgeschlagen sein. Die Anklage wegen Insiderhandel gegen Raj Rajaratnam, den Gründer des Hedgefonds, dürfte einige Anleger vergraulen. Aber neben dem Schock und den faszinierenden Details der Beschuldigungen, erteilt der Fall Investoren auch eine weiterrechende Lektion über verantwortungsbewusste Hedgefondsführung.
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Rajaratnam wird beschuldigt für seine Fonds mehr als 20 Millionen US-Dollar durch Insiderinformationen verdient zu haben - durch Informanten aus Unternehmen, die vom Chiphersteller Intel über die Ratingagentur Moody?s bis hin zur Unternehmensberatung McKinsey reichen. Wenn er sich wirklich schuldig gemacht hat, ist kaum nachvollziehbar, warum er diese Mühen überhaupt eingegangen ist. Der Gewinn entspricht nicht mehr als einem Tropfen auf dem heißen Stein, wenn man ihn mit den 3,7 Milliarden Euro vergleicht die Galleon verwaltet, oder mit dem privaten Vermögen seines Gründers aus Sri Lanka, das nach Berechnungen von Forbes bei rund 1,3 Milliarden Dollar liegen dürfte.

Galleon gibt sich geschockt und behauptet, nicht einmal gewusst zu haben, dass Untersuchungen gegen das Unternehmen laufen. Das allerdings ist alarmierend. Wenn der Boss sich tatsächlich der Taten schuldig gemacht hat, die ihm vorgeworfen werden, und die für die Aufsicht verantwortlichen Mitarbeiter des Hedgefonds seine Aktivitäten nicht kontrollierten, sie nicht erkannten oder keine Möglichkeit hatten, dagegen vorzugehen, dann müssen die Kontrollmechanismen bei Galleon unzureichend sein.

Das prominente Aushängeschild der Fondsgesellschaft muss sich jetzt auf ein Trommelfeuer von potenziell ruinösen Anschuldigungen gefasst machen, auch wenn er dank einer Kaution in Höhe von 100 Millionen Dollar auf freiem Fuß geblieben ist. Bei einer solch engen Verflechtung zwischen Gründer und Unternehmen und Fragezeichen über der Qualität der internen Prozesse ist es nur naheliegend, dass Anleger ihr Geld so schnell wie möglich aus Galleon abziehen wollen.

Für Galleons ahnungslose Angestellte wäre das ein Schlag. Auch die Investoren könnten Geld verlieren. Selbst wenn nach Unternehmensangaben die Vermögenswerte des Fonds hochliquide sind, könnten konkurrierende Fonds und Börsenhändler versuchen, aus einem möglichen Verkaufsdruck bei Galleon Profit zu schlagen.

Hedgefondsinvestoren sollten aus der Galleon-Lektion ihre Lehren ziehen: vor einer Investition sollten sie auch einen kritischen Blick hinter die Fondsergebnisse und die Zusammensetzung des Fondsportfolios werfen. Schwächen in der Infrastruktur - interne Kontrollen und innere Ausgewogenheit, externe Überprüfung, Führungsmacht und Anlegerrechte - können einem Fonds das Genick brechen. Viele Manager könnten Besseres leisten. Und darauf sollten die Investoren auch bestehen.

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