Hedge Fonds
Hedge-Fonds-Manager machen wieder Kasse

Endlich gelingt es den meisten Hedge Fonds, den Kopf wieder aus dem Wasser zu heben. Der durchschnittliche Fonds könnte bald seine "Hochwassermarke" zurückerobern. Manager erhalten wieder Leistungsprämien. Ein verändertes Entgeltsystem wäre jetzt aber angesagt.
  • 0

Wenn sich das starke Jahr für die Hedge Fonds-Industrie wie bisher fortsetzt, dann wird der durchschnittliche Fonds bald wieder seine "Hochwassermarke" erreichen - den Punkt, an dem die meisten Manager wieder Leistungsgebühren erhalten. Rückblickend muss man allerdings sagen, dass diese Gebührenstruktur weder für die Fonds noch für die Investoren wirklich gut funktioniert. Es gibt bessere Optionen.

In den meisten Fällen löst sich die Performance-Gebühr von üblicherweise 20 Prozent in Wohlgefallen auf, wenn ein Hedge Fonds das Geld seiner Investoren verliert. Der Fonds muss erst die Einbußen wettmachen, bevor die Prämie wieder wirksam wird. In der Zwischenzeit ist er allein auf die Managementgebühren angewiesen. Das ist kein Grund, gleich in Mitleid zu verfallen - aber die Einnahmen einiger Fonds leiden darunter tatsächlich beträchtlich. Es kann mitunter schwierig werden, die besten Mitarbeiter zu halten.

Außerdem werden die Anreize für die Fondsmanager verzerrt. Die Händler könnten das Interesse verlieren, weil ihre Hochwassermarken, und damit die großen Boni, in weiter Ferne zu liegen scheinen. Oder sie könnten zu dem Schluss gelangen, ohnehin nichts zu verlieren zu haben, so dass sie große und riskante Wetten in der Hoffnung platzieren könnten, die Verluste schnell wieder hereinzuholen. Keine dieser Einstellungen wirkt sich für die Investoren positiv aus.

Dieses Problem hatte am Ende des vergangenen Jahres große Bedeutung erlangt. Von den Spitzenständen bis zur Talsohle hatte der durchschnittliche Hedge Fonds etwa 19 Prozent verloren, wenn man nur die jeweiligen Daten zum Quartalsende betrachtet, die der Branchendienst Hedge Fund Research gesammelt hat. Da der gleiche durchschnittliche Fonds in diesem Jahr glücklicherweise gegenüber seinen Tiefstständen um rund 17 Prozent zugelegt hat, ist er jetzt nur noch etwa fünf Prozent von seiner Hochwassermarke entfernt.

Einige Fonds schreiben bereits wieder schwarze Zahlen, darunter diejenigen, die von Steven Cohens SAC verwaltet werden und die notierte Och-Ziff Capital Management. Andere dümpeln nach wie vor unter der Wasseroberfläche herum - auch die Vorzeige-Fonds der in Chicago ansässigen Citadel. Diese hatten im Jahr 2008 mehr als 50 Prozent verloren. Selbst wenn sie diesen Betrag in diesem Jahr mehr als wettgemacht hätten, hätten sie den Rückweg dennoch erst rund zur Hälfte zurückgelegt.

Wie auch immer sich ihre derzeitige Situation darstellt, sehen viele Fondsmanager dennoch ein, dass die Idee einer einfachen Hochwassermarke unzulänglich ist. Eine Alternative wäre das so genannte Lone Pine-Modell. Gemäß dieser Struktur erhält der Hedgie, dessen Fonds zum Beispiel zehn Prozent verliert, immer noch eine Leistungsprämie, während sich der Fonds erholt. Aber auf dem Weg zurück zum alten Spitzenstand wird die übliche Gebühr von zwanzig Prozent halbiert. Und sie verbleibt auf einem reduzierten Niveau von noch einmal dem Eineinhalbfachen des jeweiligen Verlusts - in diesem Fall entspräche dies bis zu 115 Prozent der alten Hochwassermarke -, bis die vollständige Gebühr wieder greift.

Wird dieser Ansatz angewendet, dann zahlen die Investoren weniger Gebühren als sonst üblich - und die Einnahmen des Fondsmanagers schwanken weniger stark. Dies wäre zwar eine Verbesserung gegenüber der einfacheren Struktur, doch dabei sollte man es nicht belassen. Noch sinnvoller wären Gebühren, die mehrere Jahre der Performance berücksichtigen und nicht für illiquide Gewinne ausgezahlt werden. Für die Investoren könnte allerdings die Zeit knapp werden. Der Branche solche Veränderungen aufzuerlegen, wird immer schwieriger. Denn die Erinnerung der Fondsmanager daran, dass sie fast ertrunken wären, verblasst schon wieder.

Kommentare zu " Hedge Fonds: Hedge-Fonds-Manager machen wieder Kasse"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%