Hedge Fonds
Rückzug ins Private

Damon Buffini tritt nach nur 18 Monaten als Chairman von Permira zurück. Als die Private Equity-Firmen 2007 öffentlich attackiert wurden, avancierte Buffini wider Willen zum kompetenten Botschafter der Branche. Sein Rückzug ist eine Schande – und erscheint ein bisschen unmotiviert.
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Damon Buffini soll nicht mehr für die Private Equity-Branche in die Bresche springen. Der Chairman von Permira, die sich einst als die führende Buyout-Firma Europas bezeichnete, gibt sein Amt ab. Ab dem kommenden Jahr wird Buffini nur noch als ein Partner unter vielen über die Strategie der Private Equity-Gesellschaft entscheiden.

Für Permira mag dieser Schritt hilfreich sein. Private Equity wird so wieder ein Stück privater und weniger öffentlich. Doch für den Mann, der wider Willen der ganzen Branche ein Gesicht verliehen hatte, als sie öffentlich an den Pranger gestellt wurde, dürfte der Rückzug unerwünscht sein.

Während Buffinis Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär anfangs viele inspirierte, verkehrte sich dies schnell ins Gegenteil, nachdem die Geschicke der Firmenjäger auf Pump ihren Höhepunkt erreicht hatten. Buffini hatte sich aus dem sozialen Wohnungsbau bis zur Harvard Business School hochgearbeitet und war zu einem der mächtigsten schwarzen Geschäftsmänner Großbritanniens avanciert. Er galt als Vertreter der neuen Garde der Londoner Finanzzirkel. Permira, und allen voran Buffini, erwirtschafteten ihren Investoren gigantische Renditen. Die Firma entwickelte sich zu einem europäischen Machtzentrum in der Beteiligungsbranche und brauchte keinen Vergleich zu den Gegenspielern aus den USA zu scheuen.

Doch als die Gewerkschaften einen Sündenbock für die Stellenkürzungen bei Unternehmen brauchten, die im Besitz von Beteiligungsgesellschaften waren, stürzten sie sich voller Zorn auf Buffini. Plötzlich personifizierte er die rückhaltslose Gier der City.

Als Buffini zu deren Selbstdarstellung vor die britischen Gesetzgeber zitiert wurde, verteidigte er die Branche mit Geschick. Seine wohl begründeten Antworten trugen dazu bei, die Aufregung über die Steuerpraktiken und die Verschwiegenheit seiner Industrie zu entschärfen. Doch sobald sich das aufreizende Geschrei in der Öffentlichkeit gelegt hatte, brach sich die Kreditkrise Bahn. Buffini wurde im November 2007 auf den speziell geschaffenen Posten des Chairman von Permira bugsiert, um Platz für zwei neue Managing Partner zu machen. Seine Aufgabe war es, die Strategie festzulegen und die Mittelbeschaffung zu leiten. Das Tagesgeschäft sollte auf seine Nachfolger übertragen werden.

Permira scheint über die Gründe, die hinter der Schaffung der Rolle des Chairman standen, noch einmal nachgedacht zu haben, seitdem die Kreditkrise zugeschlagen hat. Die Firma hat zusammen mit ihren Konkurrenten schwere Rückschläge eingesteckt. Viele ihrer Portfolio-Unternehmen, darunter Valentino, Freescale und ProSiebenSat.1 - stellen sich langsam als kostspielige Blindgänger heraus. Der jüngste Permira-Fonds wurde zurechtgestutzt und den Investoren erlaubt, Engagements rückgängig zu machen. Der größte Unterstützer von Permira, SVG Capital, will diversifizieren. Buffinis profilierte Rolle als Chairman ist nur noch zu einer anderen Art des Krisenmanagements verkommen.

Angesichts seines kometenartigen Aufstiegs erscheint es seltsam ambitionslos, dass Buffini dem Rampenlicht den Rücken kehrt - besonders wenn man bedenkt, dass er erst 47 Jahre alt ist. Vielleicht hat ihn die Performance von Permira, was die Investitionen und das operative Geschäft angeht, zu stark bedrückt, um an so exponierter Stelle weiterarbeiten zu wollen. Aber sein Rückzug ist eine Schande für eine Finanzwelt, die so dünn mit Führungspersönlichkeiten besiedelt ist. Er sollte nicht zu lange im Schatten bleiben.

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