Hedgefonds
Hedgefonds: Ausstieg zur rechten Zeit

Tim Barakett von Atikus steigt mit 44 Jahren aus. Ideal ist das sicher nicht, aber es ist zumindest ehrlich, den Investoren ihr Geld zurückzugeben, wenn man nicht mehr mit dem Herzen bei der Sache ist. Andere machen den Fehler, zu lange an ihrem Job zu kleben und erst zum Aufgeben gezwungen werden zu müssen.
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Wann ist die richtige Zeit aus der Hedgefond-Tretmühle auszusteigen? Für Tim Barakett von Atticus lautet die Antwort mit 44 Jahren und einem Bankkonto von einer Milliarde Dollar - allerdings fast auf dem Tiefpunkt seines Spiels. Ideal ist das sicher nicht, aber es ist zumindest ehrlich, den Investoren ihr Geld zurückzugeben, wenn man nicht mehr mit dem Herzen bei der Sache ist. Andere machen den Fehler, zu lange an ihrem Job zu kleben und erst zum Aufgeben gezwungen werden zu müssen.

Barakett infomierte die Investoren in dieser Woche darüber, dass er den 3 Milliarden Dollar schweren Atticus Global Flagschifffonds, den er vor 15 Jahren mit ein paar Millionen Dollar ins Leben rief, auflösen wird. Im vergangenen Jahr verlor der Fonds 13 Prozent. Das ist zwar besser als die 20 Prozent Verlust, die der S&P 500 einstecken musste, markiert aber dennoch einen Tiefpunkt der Barakett-Strategie, gezielt auf Unternehmen zu setzen, die er für unterbewertet hält.

Im vergangenen halben Jahrzehnt, als Investoren ihr Kapital scharenweise bei Atticus anlegen wollten, verbuchte Barakett jährliche Renditen von 9 Prozent, während der breite Markt seitwärts tendierte. Barakett kann also auf eine relativ robuste langfristige Entwicklung zurückblicken. Der frühere Harvard-Hockey-Champion kann sein Unternehmen aber nicht mit der Trophäe verlassen, seinen Investoren aus der Krise des vergangenen Jahres heraus geholfen oder gar die Krise gänzlich umschifft zu haben.

Im Vergleich dazu konnte Hedgefondsmanager Andrew Lahde auf ein Jahr zurückblicken, dass mit einer Rendite von 870 Prozent schloss, als er im vergangenen September mit der Abwicklung seines gleichnamigen kleineren Fonds begann - zu einem Zeitpunkt also, als die Märkte am Beginn einer sechsmonatige Talfahrt standen.

Natürlich gibt es auch Andere, die aus dem Geschäft mit einem weitaus schlechteren Ergebnis als Barakett ausstiegen. Eine Handvoll getreuer Anhänger der Branche mussten erst vor Kurzem die weiße Flagge über ihren Fonds hissen: John Meriwether, Arthur Samberg und James Pallotta, um nur einige von ihnen zu nennen.

Allerdings kam in den meisten dieser Fälle die Ausstiegsentscheidung zu spät. Die Anleger saßen bereits auf schmerzhaften Verlusten - im Fall Meriwether fast 50 Prozent. Und auch ein Versuch, den Ruf als cleverer Investor zu retten, erwies sich als zu große Herausforderung. Pallotta hätte 40 Prozent Gewinn machen müssen, um überhaupt erst wieder eine Leistungsprämie kassieren zu können.

Zumindest scheint Barakett erkannt zu haben, dass es wenig sinnvoll gewesen wäre, seine Arbeit halbherzig fortzusetzen. Stattdessen war es besser, einen Schlussstrich zu ziehen, solange er noch die Anerkennung der meisten seiner Investoren besaß. Damit wird auch ein unvermeidliches Comeback sehr viel leichter ermöglicht.

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