Hedgefonds-Manager Merkin angeklagt
Madoff-Anlagebetrug: Warnung vom Knastbruder

Der Hedgefonds-Manager Ezra Merkin ist im Madoff-Skandal wegen Milliardenbetrugs angeklagt worden. Dabei war er gewarnt worden: Sein früherer Geschäftspartner, der wegen Insiderhandels zu einer Gefängnisstrafe verknackte Victor Teicher, hatte die Machenschaften Madoffs durchschaut.
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Der Skandal um den Milliardenbetrüger Bernie Madoff zieht weitere Kreise: Nun ist der Hedgefonds-Manager Ezra Merkin wegen Betrugs angeklagt worden. Seine Fonds investierten enorme Summen in das Schneeballsystem von Bernie Madoff - ohne dass deren Investoren immer darüber informiert waren, sagte Andrew Cuomo, der Generalstaatsanwalt von New York. Wenn Merkin nur auf den ehemaligen Knastbruder Victor Teicher gehört hätte! Teicher hat seine Gefängnisstrafe wegen Insiderhandels schon lange abgesessen. Aber er ist wohl immer noch hellhörig und gewieft genug, um zweifelhafte Deals zu erkennen. Teicher scheint seinen ehemaligen Geschäftspartner Merkin vor Madoff gewarnt zu haben.

Teicher hatte mit Merkin seit Mitte der achtziger Jahre zusammengearbeitet, geht aus der Klageschrift von Cuomo hervor. Der Spezialist für Fusionsarbitrage war 1990 des Insiderhandels überführt worden, trat 1994 seine Gefängnisstrafe an und wurde im darauf folgenden Jahr entlassen. Die beiden Männer führten angeblich ihre Geschäftsverbindung mit Unterbrechungen bis 2000 fort, bis dann ein Berufsverbot durch die US-Wertpapieraufsicht Teicher aus der Finanzindustrie verbannte.

Nach den Recherchen von Cuomo hielt Teicher die Renditen von Madoff für zu gut, um wahr zu sein, und dies hat er Merkin auch wiederholt wissen lassen. Nachdem sich Madoff im vergangenen Dezember gestellt hatte, schickte Teicher E-Mails an Merkin. In einer dieser Mails bezeichnete er laut Klageschrift die Neuigkeiten über Madoff als "irrsinnig komisch" und bot Merkin seine Hilfe an. In einer anderen schrieb er: "Ich denke, dass du so gut darin warst, eine Menge Leute zu überlisten, dass du dich am Schluss selbst überlistet hast."

Und dass Merkin die Leute getäuscht hat, will Cuomo jetzt beweisen. In allen Einzelheiten legt er Behauptungen dar, dass Merkin es wiederholt unterlassen hat, die Investoren über Madoffs Rolle zu unterrichten - selbst bei einem Fonds mit der Bezeichnung Ascot, der praktisch vollständig bei dem Mann angelegt war, der sich selbst des Betrugs bezichtigt hat. In einigen Fällen, so legt die Klage nahe, hat Merkin sogar dann die Verquickung seiner Fonds mit Madoff verschwiegen, wenn die Anleger ihm explizit mitgeteilt hatten, dass sie seine Fonds in Betracht zögen, um ihre Investitionen von Madoff zu entflechten.

Auf jeden Fall haben Privatanleger und, noch bedauerlicher, mehrere Wohltätigkeitsorganisationen angeblich 2,4 Mrd. Dollar verloren, weil sich Merkin auf Madoff verlassen hat. In Merkins Umfeld waren offenbar auch andere gegenüber Madoff misstrauisch geworden. Und wenn man der Klage der New Yorker Staatsanwaltschaft glauben darf, dann hatte auch Merkin selbst nicht viel eigenes Geld in die betreffenden Fonds gesteckt. Vielleicht hat ein Teil von ihm die Warnungen Teichers doch zur Kenntnis genommen.

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