Hedging nicht nötig
Riesen-Boni im Hedgefondsland

Die Ikonen der Hedgefondsindustrie, wie Jim Simons und John Paulson, können nach Angaben des Anlegermagazins Alpha mit ihren Milliardeneinkommen im Jahr 2008 prahlen. Es gibt sie noch, die Boom-Kapitalisten – vorausgesetzt sie erwirtschaften Gewinne für ihre Anleger, ihre Unternehmen befinden sich im Privatbesitz und sie verzichten auf staatliche Hilfen.
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Riesen-Boni gibt es noch im Hedgefondsland. Jim Simons von Renaissance Technologies und John Paulson von Paulson & Co. können nach Angaben des Alpha Magazine mit Honorarpaketen in Höhe von 2,5 beziehungsweise 2 Milliarden Dollar prahlen. Vielleicht ist der Boom-Kapitalismus doch nicht tot, zumindest noch nicht - solange die Anleger Geld verdienen und die Unternehmen sich in privater Hand befinden und auf staatliche Hilfen verzichten.

Die Einkommensschätzungen dürften die wahre Situation allerdings überzeichnen - vor allem, weil sie auch Gewinne berücksichtigen, die Manager mit Investitionen in ihren eigenen Fonds erzielt haben. Aber dennoch, es ist schwer einzusehen, warum eine einzelne Person so viel Geld wert sein soll. Verglichen mit diesen Summen scheint die Aufregung über die Bonuszahlungen bei American International Group, die zwischen 1 000 und 6 Millionen Dollar liegen, in die falsche Richtung zu gehen. Warum die Hedgefondsgewinner der populären öffentlichen Kritik weitgehend entkommen, lässt sich erklären. Erstens haben sie für ihre Investoren viel Geld verdient, auch nach Abzug der Verwaltungskosten - im vergangenen Jahr waren es zum Beispiel beeindruckende 80 Prozent für Simons Medallion Fund und John Arnolds Centaurus Energy.

Zweitens, ihre Hauptaktionäre - im Gegensatz zu Fondsanlegern - sind sie selbst und Kollegen. Es macht also kaum einen Unterschied wie hoch der Anteil des Gebühreneinkommens ist, den sie an sich selbst zahlen. Und der dritte und entscheidende Grund, sie haben keine staatlichen Hilfen in Anspruch genommen, um zu überleben. Aus diesem Grund werden einige der Fonds auch schon bei Investmentprogrammen misstrauisch, bei denen staatliche Finanzhilfen im Spiel sind.

Aber während die Gesellschafter, die mit Simons in seinen Medallion investieren, wahrscheinlich froh sind, die hohen Gebühren zu zahlen - 5 Prozent der Anlagesumme und 44 Prozent der Gewinne nach Angaben von Alpha - dürften außenstehende Anleger, die in andere Fonds investieren, die von seinem Unternehmen gemanagt werden, darunter zum Beispiel der Renaissance Institutional Equities Fund, nicht so glücklich sein. Zwar sind die Gebühren dort viel geringer, aber die Fonds haben im vergangenen Jahr Verluste gemacht - und Simons muss nichts zurückzahlen.

Vielleicht rennen die Investoren Arnold, Paulson und ihren erfolgreichen Kollegen die Türen ein. Aber eine positive Entwicklung war im vergangenen Jahr überall die Ausnahme - Brancheninsider sprechen schon ironisch davon, dass "20 Prozent Verlust neuerdings seitwärts heißt". Die Anleger haben zum ersten Mal seit Jahren wieder die Oberhand und für viele Fonds dürfte es schwer werden, das bei ihrer typischerweise asymmetrischen Struktur traditionelle Gebührenschema 2-und-20 aufrecht zu erhalten. So sind bei weiterhin fallenden Preisen für Vermögenswerte und unspektakulären Renditeaussichten auch die Erwartungen über die Bezahlung der Hedgefondsmanager wieder bodenständiger geworden. Vielleicht sind 50 Millionen Dollar die neuen 500 Millionen.

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