HeidelbergCement
Die Zeiten ändern sich

HeidelbergCement führt dem Markt vor Augen, wie weit es im Verlauf von nur 6 Monaten mit dem globalen Bankensystem gekommen ist. Dem deutschen Zementfabrikanten gelang ein Refinanzierungsdeal mit 50 Gläubigern. Das Geschäft ist nicht billig, aber die Alternative wäre schmerzhafter für die Gläubiger geworden. Zumindest kann sich Heidelberg jetzt auf die genauso große Herausforderung konzentrieren, seine Schulden zu reduzieren.
  • 0

HeidelbergCement hat seine Probleme halbiert. Dem deutschen Baumaterialkonzern gelang es, die Katastrophe abzuwenden und den Schuldenberg erfolgreich zu refinanzieren, der sich nach der 8-Milliarden-Pfund-Akquisiton des britischen Rivalen Hanson im Jahr 2007 auftürmte. Eine gewaltige Leistung, wenn man bedenkt, dass mehr als 50 Gläubiger zustimmen mussten, alle Bankschulden in einem einzigen 8,7-Milliarden-Euro-Kredit zu konsolidieren. Jetzt steht das Unternehmen vor der ebenso anspruchsvollen Aufgabe die Schulden zu reduzieren.

Die Einigung zeigt, wie weit es mit dem globalen Bankensystem gekommen ist. Vor gar nicht allzu langer Zeit war ein solcher Deal undenkbar, vor allem, wenn es sich um Schulden mit minderen Kreditratings handelte. Der Preis für die neue Kreditvereinbarung ist nicht gerade billig. Heidelberg soll um die 7 Prozent dafür zahlen müssen, 425 Basispunkte über Libor - oder fast das Zehnfache der ursprünglichen Spreads. Aber die Alternativen, zum Beispiel die Mittelbeschaffung über die Kapitalmärkte, wären für die Gläubigerbanken unter der Leitung von Deutsche Bank und Royal Bank of Scotland teurer geworden.

Heidelberg steht noch ein weiter Weg bevor. Um wieder ein Investmentgrade-Kreditrating zu erlangen muss Heidelberg seinen Schuldenberg von 11,6 Milliarden Euro um 3 Milliarden reduzieren. Und auch wenn der Konzern jetzt zweieinhalb Jahre Ruhe hat, bis der Großteil der Kredite fällig wird, so muss er dennoch bis 2010 eine 750-Millionen-Euroanleihe zurückzahlen.

Der deutsche Zementhersteller fährt beim Schuldenabbau zweigleisig. Einerseits setzt er die Strategie fort, sich von Vermögenswerten aus der Hanson-Akquisistion zu trennen, die außerhalb des Kerngeschäfts liegen. Aus dieser Quelle sollen noch einmal 1,8 Milliarden Euro fließen. Aber die Vermögensbestandteile, die zum Verkauf stehen, treffen auf einen Markt der seinen Boden offensichtlich noch nicht gefunden hat. Und Heidelberg hat immer noch etwas von einem Verkäufer aus Verzweiflung, wenn auch heute weniger als gestern.

Andererseits ebnet die Refinanzierung auch den Weg für neue Investoren. Heidelbergs Gewinnspannen sind kollabiert, aber der Baumaterialsektor erholt sich im Zuge eines Aufschwungs tendenziell als einer der ersten und Anleger, die auf die nächste Erholung setzen, könnten in Heidelberg eine attraktive Chance zu passenden Konditionen sehen. Die Merckle-Familie scheint bereit, einer Verwässerung ihres 80-Prozent-Anteils zuzustimmen, in welchem Umfang jedoch und zu welchem Preis, das muss noch hart verhandelt werden.

Kommentare zu " HeidelbergCement: Die Zeiten ändern sich"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%