Heidelberger Cement
Umstrukturierung wie im Lehrbuch

Heidelberger Cement steht kurz vor Vollendung eines Umstrukturierungsprozesses wie er im Lehrbuch steht. Auf dem Programm steht nun die Umschuldung des Schuldenbergs von 12 Milliarden Euro. Mithilfe einiger unorthodoxer Strategien könnte das Ziel ereicht werden.
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Heidelberg Cement steht kurz vor Abschluss einer Bilderbuch-Umstrukturierung. Der letzte Schritt besteht darin, Eigenkapital aufzunehmen, um Schulden zurückzuzahlen und den Baumaterialproduzenten aus den Händen der klammen Merckle-Familie zu befreien, die etwa 85 Prozent der Aktien besitzt. Stattdessen soll der Konzern in den Besitz institutioneller Anleger wechseln. Das erfordert allerdings ein paar ungewöhnliche Maßnahmen.

Heidelberg ist das Paradebeispiel einer klassischen, komplexen Umstrukturierung. Der Konzern überhob sich im Jahr 2007 mit der 9-Milliarden-Euro-Akquisition des britischen Konkurrenten Hanson. Auch die Merckles konnten finanziell nicht einspringen. Das Ausmaß ihrer eigenen Schuldenkrise wurde mit dem Selbstmord des Familienoberhaupts Adolf Merckle im Dezember offenbar.

Aber Heidelberg kam schnell wieder auf die Beine. Das Unternehmen einigte sich im Juni mit mehr als 50 Gläubigern über neue Kreditbedingungen für den Großteil seiner 12 Milliarden Euro Schulden. Damit gehörte Heidelberg zu den ersten, der angeschlagenen großen Firmen, denen die Umschuldung gelang. Jetzt hat Heilberg Pläne über eine Kapitalerhöhung von rund 2 Milliarden Euro vorgelegt. Gleichzeitig soll es der Merckle-Familie ermöglicht werden, aus einem Teil ihrer Anteile auszusteigen.

Um beide Ziele zu erreichen, wird das Unternehmen zwei Geschäfte gleichzeitig unter Dach und Fach bringen. Die geplante Kapitalerhöhung um 62,5 Millionen junger Aktien wird den Aktienbestand um 50 Prozent erhöhen. Die Merckles erhalten, technisch gesehen, über ihre verschuldeten Investmenttöchter Spohn und VEM Bezugsrechte auf die neuen Aktien, werden aber alle Rechte daran schon vor der Kapitalerhöhung verkaufen. Zusätzlich wird die Familie bis zu 62,5 Millionen Altaktien zum Preis der Neuemission an institutionelle Investoren abgeben.

Die Banker werden versuchen, die Merckle-Anteile schon vor Eröffnung des Bezugsrechtehandels zu platzieren, um eine zwischenzeitliche Übernahme der Rechte in die eigenen Bestände zu vermeiden bzw. um deutliche Kursabschläge zu verhindern. Die kleine Gruppe der restlichen Altaktionäre, die von ihren Bezugsrechten Gebrauch machen wollen, werden eine Ausgleichszahlung auf die Zweitplatzierung erhalten. Im Endergebnis werden sich Heidelberg-Aktien zu 60 Prozent im Streubesitz befinden, während Schulden sowohl auf Ebene des Unternehmens als auch der Merckle-Familie durch die Einnahmen aus den Deals zurückgezahlt werden können.

Wie hoch die Nachfrage auf dem Sekundärmarkt sein wird, ist allerdings noch offen, und auch der Preis steht noch nicht fest. Wenn aber alles nach Plan läuft, wird Heidelberg - so die Hoffnung - seine Schulden auf nur wenig mehr als 9 Milliarden Euro, das Niveau eines Investment-Grade-Ratings, verringern können. Die dann noch offene Lücke dürfte durch einen Verkauf von Vermögenswerten oder auch einfach nur höhere Gewinne geschlossen werden können.

Heidelberg kann seine Umstrukturierung also vielleicht bald erfolgreich abschließen, aber daran hatte auch die Marktentwicklung ihren Anteil. Wenn der Aktienkurs nicht in diesem Jahr schon um 22 Prozent gestiegen wäre, dann wäre dieser letzte Schritt der Reise mit Sicherheit nicht möglich gewesen.

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